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<feed xmlns="http://www.w3.org/2005/Atom"><title>impact·distillery - blog</title><link href="https://preview.idist.io/" rel="alternate"/><link href="https://preview.idist.io/feeds/blog.atom.xml" rel="self"/><id>https://preview.idist.io/</id><updated>2026-06-24T00:00:00+02:00</updated><subtitle>Data Experience, Values und Decision Making</subtitle><entry><title>Data Experience: Eine Einführung</title><link href="https://preview.idist.io/blog/data-experience-eine-einfuehrung/" rel="alternate"/><published>2026-06-24T00:00:00+02:00</published><updated>2026-06-24T00:00:00+02:00</updated><author><name>Prof. Dr. Marcel Hebing</name></author><id>tag:preview.idist.io,2026-06-24:/blog/data-experience-eine-einfuehrung/</id><summary type="html">&lt;p&gt;Data Experience ist die bewusst gestaltete Schnittstelle zwischen Daten, Menschen und Entscheidungen&lt;/p&gt;</summary><content type="html">&lt;p&gt;Eine Zahl ist selten nur eine Zahl.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie hat einen Rahmen, steht beispielsweise in einem Report, einer Präsentation oder einer App. Dort hat sie eine Farbe, eine Position, eine Beschriftung. Vor allem hat sie aber auch einen inhaltlichen Kontext, eine mehr oder weniger hochwertige Quelle, ist mit Unsicherheiten verbunden und kommt meist mit einer impliziten Aufforderung: Schau hier hin. Denk das. Tu etwas.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Deshalb reicht es nicht, Daten einfach bereitzustellen, sie müssen gestaltet werden. Nicht im Sinne von Dekoration oder damit Charts mehr Eindruck machen. Sondern weil die Art und Weise, wie wir Menschen diese Daten erleben, wesentlich beeinflusst, was wir verstehen, worauf wir vertrauen und welche Entscheidungen wir treffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Für diese Ebene schlage ich den Begriff »Data Experience« vor, als die bewusst gestaltete Schnittstelle zwischen Daten, Menschen und Entscheidungen. Dabei bringen wir klassische Datenanalyse, Kommunikation, User Experience und Entscheidungsunterstützung zusammen. Und wir fragen nicht nur: Sind die Daten korrekt? Oder ist die Visualisierung verständlich? Sondern vor allem auch: Hilft diese Datenanwendung einem Menschen, im jeweiligen Kontext besser zu denken, zu prüfen, zu verstehen oder zu entscheiden?&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Daten wirken nie neutral&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;In der Theorie wünschen wir uns oft eine möglichst objektive Darstellung von Daten, aber die gibt es in der Praxis nicht. Schon die Auswahl einer Kennzahl ist eine Entscheidung, ebenso wie die Wahl des Zeitraums oder die Skalierung einer Achse. Und vor allem die Frage, ob Unsicherheit bewusst sichtbar gemacht wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das bedeutet nicht, dass jede Darstellung manipulativ ist. Aber es bedeutet, dass jede Darstellung Verantwortung trägt. Wenn eine Conversion Rate mit 12,4 Prozent gezeigt wird, wirkt das zunächst präzise. Wenn darunter steht, dass die Stichprobe nur aus 87 Fällen besteht, verändert sich die Erfahrung dieser Zahl. Wenn eine Wachstumsrate von 100 Prozent gezeigt wird, klingt das stark. Wenn ergänzt wird, dass es sich um Wachstum von einem auf zwei Kunden handelt, wird die Aussage anders lesbar. Die Zahl bleibt dieselbe. Die Data Experience verändert sich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gute Data Experience macht solche Kontextinformationen nicht zu Fußnoten, die irgendwo am Rand stehen. Sie integriert sie in die Nutzung und zeigt genug Evidenz, um Ergebnisse reflektiert einordnen zu können.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Das Spektrum der Data Experience&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Um diese Unterschiede beschreibbar zu machen, arbeite ich gerade mit einem »Spektrum der Data Experience«. Es reicht aktuell von -3 bis +3 und nimmt bewusst die Perspektive der Nutzerinnen und Nutzer ein. Es geht also nicht nur darum, ob die Daten technisch korrekt verarbeitet wurden, sondern welche Erfahrung und Entscheidungsqualität auf der Nutzerseite entsteht.&lt;/p&gt;
&lt;figure&gt;&lt;img alt="Spektrum der Data Experience von Betrug und Opportunismus bis zu Empowerment und Entscheidungsunterstützung" src="/images/blog/data-experience-eine-einfuehrung/spectrum.png"&gt;&lt;figcaption&gt;&lt;strong&gt;Abbildung 1.&lt;/strong&gt; Spektrum der Data Experience von Betrug und Opportunismus bis zu Empowerment und Entscheidungsunterstützung.&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;p&gt;Am einen Ende steht Betrug (-3). Hier werden Zahlen bewusst gefälscht, Daten erfunden oder Ergebnisse manipuliert. Das ist nicht schlechte Data Experience, sondern ein Bruch der grundlegenden Vertrauensbasis.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine Stufe darüber liegt Opportunismus (-2). Die Daten und Analysen können an sich richtig sein, aber die Darstellung ist bewusst irreführend gestaltet. Eine abgeschnittene y-Achse, selektiv gewählte Zeiträume oder eine gezielte Auswahl von Vergleichsgruppen können aus korrekten Daten eine falsche Wahrnehmung erzeugen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Danach kommt Pfusch (-1). Hier fehlt nicht unbedingt die böse Absicht, aber die handwerkliche Sorgfalt. Daten werden ungeprüft in Dashboards geladen. Kennzahlen werden nicht erklärt. Nutzeranforderungen werden nicht verstanden. Visualisierungen werden verwendet, weil sie verfügbar sind, nicht weil sie zur Frage passen. Aus Sicht der Nutzerin ist das Ergebnis trotzdem problematisch: Man bekommt Daten, aber keine verlässliche Orientierung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bei null liegt solides Handwerk. Das ist wichtiger, als man vielleicht zunächst denken mag. Es bedeutet, dass die Analyse sauber ist, die Darstellung passt zur Frage, wichtige Begriffe sind erklärt und Unsicherheiten bzw. Limitationen werden nicht versteckt. In sehr vielen Fällen braucht es dafür keine besonders spektakulären Visualisierungen. Ein guter Satz, eine saubere Tabelle, ein Balkendiagramm, ein Streudiagramm, eine Heatmap oder ein Liniendiagramm reichen meistens aus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auf der positiven Seite beginnen wir mit Data Storytelling (+1). Hier werden Daten nicht nur korrekt dargestellt, sondern in Zusammenhang gebracht. Storytelling heißt nicht, eine hübsche Geschichte über Zahlen zu legen, sondern eine analytische Aussage so zu strukturieren, dass Menschen sie inhaltlich nachvollziehen können. Was ist passiert? Warum ist es relevant? Welche Entwicklung ist wichtig? Welche Vergleichswerte helfen? Welche Ereignisse erklären Brüche oder Wendepunkte?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die nächste Stufe ist Empowerment (+2). Hier werden Nutzerinnen und Nutzer nicht nur informiert, sondern befähigt, selbst mit Daten zu arbeiten. Sie können filtern, vergleichen, explorieren und eigene Fragen stellen. Aber sie werden dabei nicht allein gelassen. Gute Data Experience gibt Leitplanken wie Qualitätsindikatoren, Hinweise auf kleine Fallzahlen, Erklärungen zu Kennzahlen, Warnungen vor problematischen Vergleichen oder Empfehlungen für sinnvolle Visualisierungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die höchste Stufe ist der Decision Support (+3). Hier unterstützt die Anwendung direkt eine Entscheidung, aber ohne dem Menschen komplett das Denken abzunehmen. Es reduziert die Distanz zwischen Daten und Handlung. Google Maps ist ein gutes Alltagsbeispiel: Die Anwendung zeigt nicht nur Straßen, Verkehrsdaten und Entfernungen. Sie schlägt Wege vor, bewertet Alternativen, berücksichtigt den Kontext und bringt die Nutzerin näher an eine konkrete Entscheidung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Folgenden wollen wir uns die Phasen vom soliden Handwerk bis zum Decision Support noch einmal genauer anschauen.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Solides Handwerk ist unterschätzt&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;In vielen Organisationen wird zu schnell über die oberen Stufen gesprochen. Man möchte Storytelling, Self-Service, KI-Assistenz oder automatisierte Empfehlungen. Das ist nachvollziehbar, aber Data Experience wird nicht besser, wenn man schlechte Grundlagen interaktiver macht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schlechte Daten und ein schlecht definiertes Dashboard bleiben schlecht, auch wenn man darin filtern kann (»Garbage in, garbage out«). Eine irreführende Kennzahl wird nicht besser, weil sie auf einer modernen Oberfläche steht. Und eine fehlerhafte Analyse wird nicht besser, wenn man sie als Story erzählt. Deshalb ist solides Handwerk der zentrale Nullpunkt des Spektrums. Nicht langweilig, sondern notwendig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Solides Handwerk fragt: Welche Frage soll beantwortet werden? Welche Kennzahl passt dazu? Welche Datenqualität liegt vor? Welche Darstellung ist angemessen? Welche Information braucht die Nutzerin, um das Ergebnis nicht falsch zu verstehen? Erst wenn diese Grundlage stimmt, lohnt sich der Schritt zu Storytelling, Empowerment oder Decision Support.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Storytelling ist Verantwortung, nicht Dekoration&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Data Storytelling wird häufig missverstanden. Es klingt nach Dramaturgie, Zuspitzung und Präsentationstechnik. Das gehört vielleicht auch dazu, ist aber für uns hier nicht der Kern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wichtiger ist die Verantwortung für Sinnzusammenhänge. Wer Daten zeigt, sollte nicht nur zeigen, was sichtbar ist, sondern auch helfen, es richtig einzuordnen. Eine Zeitreihe ohne markierte Ereignisse kann formal korrekt sein und trotzdem schwer verständlich bleiben. Ein Ranking ohne Methodenerklärung kann interessant aussehen und trotzdem falsche Schlüsse nahelegen. Eine Kennzahl ohne Vergleichswert kann präzise wirken und trotzdem kaum Bedeutung haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gutes Storytelling macht Daten nicht einfacher, als sie sind, es macht sie anschlussfähiger. Es zeigt, welche Aussage zentral ist, welche Unsicherheit bleibt und welche Interpretation plausibel ist. Es hilft den Nutzerinnen und Nutzern, Zusammenhänge zu verstehen.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Empowerment braucht Leitplanken&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Self-Service Analytics ist ein wichtiges Ziel. Fachbereiche sollten nicht für jede Frage auf ein zentrales Data-Team warten müssen. Menschen sollen Daten erkunden, Hypothesen prüfen und eigene Einsichten gewinnen können.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber mehr Freiheit erzeugt auch mehr Fehlermöglichkeiten. Wer beliebige Filter, Zeiträume, Samples und Diagrammtypen kombinieren kann, kann auch sehr überzeugende falsche Eindrücke erzeugen. Gerade deshalb ist Empowerment mehr als Interaktivität. Es geht nicht nur darum, Nutzerinnen und Nutzern neue Werkzeuge zu geben, sondern sie beim verantwortungsvollen Gebrauch dieser Werkzeuge zu unterstützen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eine gute Data Experience kann dabei helfen, indem sie Datenqualität direkt im Interface interpretierbar macht. Hier helfen Warnungen bei kleinen Fallzahlen oder Erklärungen zu methodischen Fragen. So können wir auch zwischen explorativen Ansichten und geprüften Kennzahlen unterscheiden. Das macht sichtbar, ob ein Wert belastbar, vorläufig oder erklärungsbedürftig ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Empowerment schafft einen Raum, in dem du Daten sinnvoll erkunden kannst, ohne bei jedem Schritt in methodische Fallen zu laufen.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Decision Support beginnt bei der Handlung&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Die höchste Stufe der Data Experience beginnt nicht beim Chart, sondern bei der Entscheidung. Aber dafür müssen wir auch zunächst die Nutzerinnen und Nutzer verstehen, welche Entscheidung wollen oder müssen sie treffen? Und wie können wir sie dabei unterstützen, beispielsweise indem wir methodische Unsicherheiten lösen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein gutes Decision-Support-System zeigt dabei nicht einfach mehr Daten. Es reduziert Komplexität an der richtigen Stelle, schlägt Optionen vor und macht Trade-offs sichtbar. Dabei hilft es insbesondere, Kontextinformationen bereitzustellen. So lässt es Menschen eingreifen, prüfen und verstehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist besonders wichtig, weil Decision Support schnell mit Automatisierung verwechselt wird. Nicht jede Entscheidung sollte automatisiert werden. Manchmal ist es besser, Menschen mit gut aufbereiteten Informationen zu unterstützen. Dazu braucht es Vorschläge, aber keine automatische Ausführung.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Wie man bessere Data Experience baut&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Ein paar Prinzipien helfen dir beim Start:&lt;/p&gt;
&lt;ol&gt;
&lt;li&gt;Beginne mit der Entscheidung, nicht mit dem Chart. Die Frage ist nicht, welche Visualisierung gut aussieht, sondern welche Nutzungssituation unterstützt werden soll.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;Ermögliche Exploration, aber mit Leitplanken. Nutzerinnen und Nutzer sollen eigene Fragen stellen können, aber nicht ohne Kontext, Qualitätsinformationen und methodische Hinweise.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;Baue die Erfahrung in Schichten. Eine gute Oberfläche zeigt zuerst die Antwort oder den wichtigsten Befund. Dann ermöglicht sie Interaktion. Und schließlich bietet sie Evidenz: Datenbasis, Definitionen, Unsicherheit, Methode und Grenzen.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;Behandle Storytelling als Verantwortung, nicht als Dekoration. Eine Geschichte darf Daten nicht instrumentalisieren. Sie muss helfen, Zusammenhänge besser zu verstehen.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;Unterstütze Data Literacy direkt in der Experience. Erklärungen, Tooltips, Qualitätsindikatoren und gute Defaults sind keine Nebensachen. Im besten Fall lernen die Nutzerinnen und Nutzer nebenbei auch noch methodisch etwas dazu, so als netter Nebeneffekt.&lt;/li&gt;
&lt;/ol&gt;
&lt;h2&gt;Fazit&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Data Experience beschreibt die Qualität der Schnittstelle zwischen Daten, Menschen und Entscheidungen. Sie beginnt bei Integrität und handwerklicher Sorgfalt und reicht bis zu Systemen, die Menschen direkt bei Entscheidungen unterstützen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Spektrum von Betrug über Opportunismus, Pfusch und solides Handwerk bis hin zu Storytelling, Empowerment und Decision Support hilft, diese Qualität differenzierter zu betrachten. Nicht jede Datenanwendung muss auf der höchsten Stufe stehen. Aber jede sollte wissen, auf welcher Stufe sie steht und welche Verantwortung damit verbunden ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gute Data Experience macht Daten nicht einfach nur leichter konsumierbar. Sie macht es leichter, bessere Entscheidungen zu treffen.&lt;/p&gt;</content><category term="blog"/></entry><entry><title>Data Experience (DX) – eine erste Annäherung</title><link href="https://preview.idist.io/blog/data-experience-dx-eine-erste-annaeherung/" rel="alternate"/><published>2026-01-20T00:00:00+01:00</published><updated>2026-01-20T00:00:00+01:00</updated><author><name>Prof. Dr. Marcel Hebing</name></author><id>tag:preview.idist.io,2026-01-20:/blog/data-experience-dx-eine-erste-annaeherung/</id><summary type="html">&lt;p&gt;Data Experience beschreibt die menschliche Erfahrung, mithilfe von Daten Orientierung zu gewinnen, Sinn zu konstruieren, Vertrauen zu bilden und verantwortliche Entscheidungen zu treffen.&lt;/p&gt;</summary><content type="html">&lt;p&gt;Vor kurzem bin ich über einen für mich neuen Begriff gestolpert: »Data Experience.« Und ich denke begeistert weiter.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In vielen Organisationen sind Dateninfrastruktur und Data Literacy heute vorhanden. Dashboards, KPIs und Reports gibt es im Überfluss. Trotzdem werden die meisten Entscheidungen immer noch ohne echte Auseinandersetzung mit Daten getroffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Warum? Weil wir Datenverarbeitung als einen primär technischen Prozess denken, dabei ist es insbesondere auch ein Prozess, den Menschen durchlaufen. Gerade wenn es um strategische Entscheidungen geht, müssen Menschen die Daten und Analysen (geistig) verarbeiten, die Technik ist nur da, um zu helfen, nicht andersherum.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bei diesem intellektuellen Prozess geht es aber nicht nur um das klassische Suchen und Analysieren von Daten oder deren Präsentation und Storytelling. Es geht auch um Unsicherheiten im Umgang mit Daten oder ein kritisches Hinterfragen von Daten bzw. Analysen. Und vor allem geht es um den gedanklichen Abgleich von Handlungsoptionen mit dem, was Analysen zeigen. Dies wollen wir nicht nur ausgebildeten Data Scientists ermöglichen, sondern als Demokratisierung von Daten sehr viel breiter denken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In diesem Sinne beschreibt »Data Experience« (DX) für mich die menschliche Erfahrung, mithilfe von Daten Orientierung zu gewinnen, Sinn zu konstruieren, Vertrauen zu bilden und verantwortliche Entscheidungen zu treffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und die Herausforderung ist es, hier und jetzt eine positive Erfahrung zu ermöglichen :-)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wie geht es konkret mit dem Thema weiter?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In der Impact Distillery möchten wir daraus ein konkretes Beratungsangebot und eine Tool-Suite für »Data Experience« entwickeln. Dabei geht es um Datenprodukte, Reports und Entscheidungsformate, die Menschen nicht nur informieren, sondern sie dabei unterstützen, Analysen einzuordnen, Unsicherheit zu verstehen und verantwortliche Handlungsoptionen abzuleiten. Unsere Arbeit an »Graphite«, mit dem Larissa Wunderlich und ich seit Jahren mehrschichtige Datenreports entwickeln, ist dafür ein wichtiger Ausgangspunkt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch in der Lehre an der DBU wird Data Experience ein Thema: Ich entwickle dazu gerade ein Modul für unseren Master-Studiengang »Data Science &amp;amp; Management«.&lt;/p&gt;</content><category term="blog"/></entry><entry><title>Freund oder Feind? Was große Sprachmodelle für die Wissenschaft bedeuten</title><link href="https://preview.idist.io/blog/freund-oder-feind-was-grosse-sprachmodelle-fuer-die-wissenschaft-bedeuten/" rel="alternate"/><published>2023-10-26T00:00:00+02:00</published><updated>2023-10-26T00:00:00+02:00</updated><author><name>Prof. Dr. Marcel Hebing</name></author><id>tag:preview.idist.io,2023-10-26:/blog/freund-oder-feind-was-grosse-sprachmodelle-fuer-die-wissenschaft-bedeuten/</id><summary type="html">&lt;p&gt;Große Sprachmodelle können wissenschaftliche Arbeit erleichtern, ersetzen Forschende aber nicht. Eine Delphi-Studie mit 72 Expertinnen und Experten zeigt, wo LLMs unterstützen, welche Risiken sie für Qualität, Transparenz und Vertrauen schaffen und welche Standards Wissenschaft jetzt braucht.&lt;/p&gt;</summary><content type="html">&lt;p&gt;Seit ChatGPT Ende 2022 öffentlich verfügbar wurde, wird viel darüber diskutiert, wie generative KI die Hochschullehre verändert. Deutlich weniger Aufmerksamkeit bekam zunächst eine andere Frage: Was bedeuten große Sprachmodelle für die Wissenschaft selbst?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Genau dieser Frage sind wir in einer Delphi-Studie mit 72 Expertinnen und Experten aus den Bereichen KI, Digitalisierung, Wissenschaft und Gesellschaft nachgegangen. In zwei Befragungsrunden wollten wir wissen: Wo können Large Language Models, kurz LLMs, wissenschaftliche Arbeit unterstützen? Wo liegen ihre Grenzen? Welche Risiken entstehen für das Wissenschaftssystem? Und welche Kompetenzen brauchen Forschende, um diese Technologien sinnvoll und verantwortungsvoll einzusetzen?&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Sprachmodelle als Werkzeuge wissenschaftlicher Arbeit&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Die Ergebnisse zeigen zunächst: Forschende sehen in LLMs vor allem Werkzeuge zur Unterstützung, nicht zum Ersatz wissenschaftlicher Arbeit. Besonders relevant erscheinen sie für textnahe Tätigkeiten. Dazu gehören das Überarbeiten und Verbessern von Texten, das Zusammenfassen von Informationen, Übersetzungen, erste Entwürfe, Ideenentwicklung und auch Unterstützung beim Programmieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist wenig überraschend, denn Wissenschaft ist in vielen Disziplinen stark textbasiert. Forschungsanträge, Artikel, Gutachten, E-Mails, Lehrmaterialien, Projektberichte und Präsentationen prägen den Alltag. Wenn LLMs hier Routineaufgaben beschleunigen, können sie tatsächlich Zeit freisetzen: für Analyse, Reflexion, Forschungsdesign und kreative wissenschaftliche Arbeit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Besonders deutlich wurde in unserer Studie, dass viele Expertinnen und Experten LLMs als Entlastung bei administrativen Aufgaben verstehen. Die Technologie erscheint also weniger als autonome „KI-Wissenschaftlerin“, sondern eher als Assistenzsystem für wiederkehrende, zeitintensive Tätigkeiten.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Der größte Nutzen liegt nicht nur im Schreiben&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Textverbesserung wurde in der Befragung als besonders wichtige Anwendung bewertet. Aber der potenzielle Nutzen reicht darüber hinaus. LLMs können auch beim Sortieren von Gedanken helfen, beim Einstieg in ein Thema, bei der Strukturierung von Argumenten oder bei der Formulierung von Code.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gerade für Forschende, die nicht auf Englisch als Erstsprache publizieren, könnten solche Systeme eine gewisse Ausgleichsfunktion haben. Wenn sprachliche Hürden geringer werden, kann das wissenschaftliche Teilhabe erleichtern. Zugleich ist dieser Punkt ambivalent: Wer Zugang zu leistungsfähigen Systemen hat, könnte Vorteile gewinnen; wer keinen Zugang hat, bleibt zurück. LLMs können also Ungleichheiten mindern, aber auch neue schaffen.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Die Grenzen bleiben wissenschaftlich relevant&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;So groß das Potenzial ist, so klar benannten die Expertinnen und Experten auch die Schwächen. Die wichtigste Grenze ist die Fehleranfälligkeit. LLMs können überzeugend klingende, aber falsche Aussagen produzieren. Besonders problematisch ist das bei Literaturangaben, Faktenbehauptungen und komplexen fachlichen Zusammenhängen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hinzu kommt fehlende Transparenz. Oft ist nicht nachvollziehbar, auf welchen Daten eine Antwort beruht, welche Quellen tatsächlich verwendet wurden oder warum ein Modell zu einer bestimmten Formulierung kommt. Für wissenschaftliche Arbeit ist das ein grundlegendes Problem, weil Nachvollziehbarkeit, Überprüfbarkeit und Begründung zentrale Qualitätskriterien sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weitere Grenzen liegen in der möglichen Oberflächlichkeit der Ergebnisse. LLM-Texte können glatt, plausibel und ausgewogen wirken, ohne analytisch tief zu sein. Gerade diese Mischung aus sprachlicher Qualität und inhaltlicher Unsicherheit macht sie für die Wissenschaft riskant.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Drei Risiken für das Wissenschaftssystem&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Unsere Studie zeigt drei besonders relevante Risiken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Erstens können LLMs bestehende Verzerrungen verstärken. Da sie aus vorhandenen Daten lernen, reproduzieren sie tendenziell dominante Perspektiven, etablierte Wissensbestände und Mainstream-Positionen. Marginale, neue oder widersprechende Perspektiven können dadurch weiter an den Rand gedrängt werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zweitens können LLMs Desinformation begünstigen. Wenn sich massenhaft plausible, aber falsche Inhalte erzeugen lassen, steigt die Gefahr, dass wissenschaftlich klingende Aussagen ohne belastbare Grundlage zirkulieren. Das betrifft nicht nur die Wissenschaft selbst, sondern auch ihr Verhältnis zur Öffentlichkeit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Drittens könnten Qualitätssicherungsmechanismen überlastet werden. Peer Review, redaktionelle Prüfung und wissenschaftliche Selbstkorrektur sind ohnehin bereits unter Druck. Wenn KI-gestützte Texte die Menge wissenschaftlich aussehender Publikationen weiter erhöhen, wird die Unterscheidung zwischen substanzieller Forschung und plausibler Fassade schwieriger.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Forschende werden nicht ersetzt, aber ihre Rolle verändert sich&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Die Expertinnen und Experten gingen mehrheitlich nicht davon aus, dass LLMs Forschende ersetzen. Wahrscheinlicher ist eine Verschiebung wissenschaftlicher Arbeit. Weniger Zeit könnte auf erste Formulierungen, sprachliche Glättung oder administrative Routinen entfallen. Mehr Gewicht bekämen Prüfung, Kontextualisierung, Bewertung und Verantwortung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das bedeutet: Die entscheidende Kompetenz ist nicht bloß „Prompt Engineering“. Wichtiger ist ein reflektierter Umgang mit KI-generierten Ergebnissen. Forschende müssen einschätzen können, wann ein Ergebnis hilfreich ist, wann es falsch oder unvollständig ist und welche Annahmen darin stecken. Sie brauchen fachliche Expertise, methodische Urteilskraft und ein ethisches Verständnis für den Einsatz solcher Systeme.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kurz gesagt: Je besser die Werkzeuge werden, desto wichtiger wird wissenschaftliches Urteilsvermögen.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Regulierung und wissenschaftliche Standards sind nötig&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Ein zentrales Ergebnis der Studie ist der klare Wunsch nach Orientierung und Regulierung. Dabei geht es nicht nur um rechtliche Fragen wie Urheberrecht, Datenschutz und Haftung. Es geht auch um wissenschaftliche Normen: Wann muss der Einsatz von KI offengelegt werden? Welche Rolle darf ein LLM im Publikationsprozess spielen? Wer trägt Verantwortung für KI-generierte Inhalte? Und wie lässt sich verhindern, dass kommerzielle Anbieter zu stark über wissenschaftliche Infrastrukturen bestimmen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;LLMs können keine Verantwortung übernehmen. Deshalb können sie auch nicht im gleichen Sinne Autorinnen oder Autoren wissenschaftlicher Arbeiten sein. Verantwortung bleibt bei den Menschen, die solche Systeme einsetzen.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Zwei mögliche Zukünfte&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Aus den Antworten der Expertinnen und Experten lassen sich zwei Szenarien ableiten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im positiven Szenario helfen LLMs, repetitive Aufgaben zu automatisieren, Forschung inklusiver zu machen und interdisziplinäre Zusammenarbeit zu fördern. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gewinnen Zeit für kreative, analytische und gesellschaftlich relevante Arbeit.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im negativen Szenario sinkt die Qualität wissenschaftlicher Kommunikation. Fehlerhafte, generische oder verzerrte Inhalte verbreiten sich schneller. Qualitätssicherung wird überfordert, wissenschaftliche Vielfalt nimmt ab und das Vertrauen in Wissenschaft leidet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Welche dieser Zukünfte wahrscheinlicher wird, ist keine rein technische Frage. Sie hängt davon ab, welche Standards, Kompetenzen und institutionellen Regeln wir entwickeln.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Fazit: Kein Feind, aber auch kein neutraler Freund&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Große Sprachmodelle werden die Wissenschaft nicht automatisch verbessern. Sie sind auch keine bloße Bedrohung. Sie sind Werkzeuge mit erheblichem Veränderungspotenzial.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ihr Nutzen liegt vor allem dort, wo sie Forschende von Routineaufgaben entlasten, Zugänge erleichtern und wissenschaftliche Kommunikation unterstützen. Ihre Risiken liegen dort, wo Plausibilität mit Wahrheit verwechselt wird, wo Verzerrungen unsichtbar bleiben und wo Qualitätssicherung nicht Schritt halten kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die zentrale Aufgabe besteht deshalb nicht darin, LLMs entweder zu feiern oder zu verbieten. Entscheidend ist, sie wissenschaftlich zu verstehen, kritisch zu nutzen und institutionell so einzubetten, dass sie Forschung stärken, ohne wissenschaftliche Standards zu unterlaufen.&lt;/p&gt;
&lt;hr&gt;
&lt;p&gt;Dieser Blogbeitrag basiert auf dem wissenschaftlichen Artikel „Friend or foe? Exploring the implications of large language models on the science system“, den ich gemeinsam mit Benedikt Fecher, Melissa Laufer, Jörg Pohle und Fabian Sofsky verfasst habe. Der Artikel ist als Open-Access-Beitrag in &lt;em&gt;AI &amp;amp; Society&lt;/em&gt; erschienen und untersucht auf Grundlage einer Delphi-Studie mit 72 Expertinnen und Experten, welche Chancen, Risiken und Kompetenzanforderungen große Sprachmodelle für Wissenschaft und wissenschaftliche Praxis mit sich bringen. Die vollständige wissenschaftliche Zitation lautet: Fecher, B., Hebing, M., Laufer, M., Pohle, J., &amp;amp; Sofsky, F. (2025). &lt;em&gt;Friend or foe? Exploring the implications of large language models on the science system&lt;/em&gt;. AI &amp;amp; Society, 40, 447–459. &lt;a href="https://doi.org/10.1007/s00146-023-01791-1"&gt;https://doi.org/10.1007/s00146-023-01791-1&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;</content><category term="blog"/></entry><entry><title>Künstliche Intelligenz – ein Übersetzungsfehler?</title><link href="https://preview.idist.io/blog/ki-uebersetzung/" rel="alternate"/><published>2022-04-28T00:00:00+02:00</published><updated>2022-04-28T00:00:00+02:00</updated><author><name>Prof. Dr. Martin Manhembué</name></author><id>tag:preview.idist.io,2022-04-28:/blog/ki-uebersetzung/</id><summary type="html">&lt;p&gt;Um realistisch bewerten zu können, was wir mit Künstlicher Intelligenz in Unternehmen erreichen können, müssen wir ein mitunter trügerisches Verständnis von dieser Technologie korrigieren.&lt;/p&gt;</summary><content type="html">&lt;p&gt;Im Zuge der digitalen Transformation, der vierten industriellen
Revolution, dem Aufstieg von sozialen Medien und vielen weiteren teils
disruptiven gesellschaftlichen Veränderungen sind Künstliche
Intelligenzen (KI) in aller Munde. Die großen Tech-Riesen arbeiten mit
diesen Künstlichen Intelligenzen und haben mit ihnen Geschäftsmodelle
aufgebaut. Kleine- und mittelständische Unternehmen ziehen nach und
versuchen ihre Datenschätze zu bergen, Prozesse zu optimieren und höhere
Gewinne zu erzielen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bewusst wurde hier der Plural „Künstliche Intelligenzen" verwendet, da
diese jeweils als Software verstanden werden. Somit kann es
beispielsweise mehrere Software-Anwendungen in einem Unternehmen geben,
die die Kriterien einer KI erfüllen. Künstliche Intelligenz im Singular
ist wiederum als ein theoretisches Konzept bzw. als Teilgebiet der
Informatik zu verstehen.&lt;/p&gt;
&lt;figure&gt;&lt;img alt="Vergleich zwischen Managementvorstellung von KI und Data-Science-Praxis" src="/images/blog/ki-uebersetzung/ai-verstaendnis.png"&gt;&lt;figcaption&gt;&lt;strong&gt;Abbildung 1.&lt;/strong&gt; Sinnbild eines Missverständnisses: Wie die Managementebene sich
Künstliche Intelligenz vorstellt (oben) und was die Data Scientists eigentlich einzubeziehen
haben (unten). Darstellung verändert nach Andy Scherpenberg.&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;p&gt;Oft genug wird in Unternehmen in den Management-Etagen und
Geschäftsführungen vom Einsatz Künstlicher Intelligenz gesprochen, gar
geschwärmt. Die Vorstellung, eine Technologie zu implementieren, die
lernt das Unternehmen zu verstehen und Verbesserungsvorschläge macht,
die beispielsweise den Umsatz steigern und dabei kein Gehalt verlangt
oder Krankheitstage hat ist durchaus verlockend. Einzig: das können
Künstliche Intelligenzen gar nicht leisten, auch wenn der Grundgedanke
von &lt;em&gt;Artifical Intelligence&lt;/em&gt; sicher in die Richtung ging, das
menschliche Gehirn nachzuahmen und dieses Potential zu nutzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Data Scientists, die Künstliche Intelligenzen programmieren, benutzen
diesen Begriff hingegen eher selten. Hier ist viel häufiger die Rede von
Modellen, Algorithmen, Automatisierung oder schlichtweg Software. Auch
wenn das, an dem sie arbeiten, vom Management als KI-Projekt deklariert
wurde, ist das Verständnis der Data Scientists ein differenzierteres.
Meist arbeiten sie nämlich an sogenannten schwachen KIs, also an
Software die insbesondere mit maschinellem Lernen versucht, ein stark
abgegrenztes und vereinfachtes Problem zu verstehen und dieses auf
andere Probleme zur Lösung zur projizieren (Nilsson, 2009). Hierzu werden
statistische Methoden und Maschinelles Lernen genutzt. Von einer
Intelligenz ist man hier weit entfernt, da sich das Verhalten nur
bedingt auf andere Kontexte anwenden lässt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bei einer starken KI sprechen wir andererseits von einem Verhalten, dass
einem Menschen ebenbürtig ist. In vielen Fällen sind dies humanoide
Roboter. Doch auch hier ist bisweilen zu konstatieren, dass zwar ein
biologisches Verhalten nachgeahmt werden kann, der Transfer von
Erlerntem und die damit verbundene Entwicklung von einer tiefgehenden
Intelligenz bislang aber kaum realisiert wurde. Darüber hinaus ist gar
die Freiheit zu eigenständigen und unabhängigen Entscheidungen, wie sie
als Dystopie in Filmen wie Terminator gezeichnet wird, in weiter Ferne.&lt;/p&gt;
&lt;blockquote&gt;
&lt;p&gt;„...the most sophisticated AIs are still far from being able to solve
problems that human four-year-olds accomplish with ease. In spite of the
impressive name, artificial intelligence largely consists of techniques
to detect statistical patterns in large data sets. There is much more to
human learning." – John Brockman (Brockman, 2019)&lt;/p&gt;
&lt;/blockquote&gt;
&lt;p&gt;Neben der durch Filme überzeichneten Intelligenz von Künstlichen
Intelligenzen kann die schiere Übersetzung aus dem Englischen ein
trügerisches Bild in den Köpfen erzeugen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bei &lt;em&gt;intelligence&lt;/em&gt; haben wir neben der genannten &lt;em&gt;Intelligenz&lt;/em&gt; auch
Übersetzungen wie &lt;em&gt;Geheimdienst&lt;/em&gt;, &lt;em&gt;Spionage&lt;/em&gt;, aber auch &lt;em&gt;Einsicht&lt;/em&gt; und
&lt;em&gt;Information&lt;/em&gt;. Wenn wir die letzteren Begriffe aufgreifen, kommt man
viel näher an das, was wir als schwache KI bezeichnen. Mit klassischen
statistischen Methoden, Data Science und maschinellem Lernen wird
versucht, Information zu erlangen, die es bislang nicht gibt,
beispielsweise über zukünftige Umsatzzahlen oder Muster in sehr großen
Datensätzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In vergleichbaren Fällen würden wir auch nicht auf die Idee kommen,
&lt;em&gt;Business Intelligence&lt;/em&gt; mit &lt;em&gt;Geschäftsintelligenz&lt;/em&gt; zu übersetzen. Dies
ist schlicht die Information über das Geschäft, also beispielsweise
Geschäftszahlen, die für Reportings benutzt werden. Anhand dieser
Information treffen Menschen dann meist Entscheidungen. Auch die CIA,
die &lt;em&gt;Central Intelligence Agency&lt;/em&gt; ist keine Intelligenzagentur, sondern
kümmert sich um die Beschaffung von Information auf Basis davon, dass
Menschen Situationen bewerten und ihre Entscheidungen vornehmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Gespräch mit Muttersprachlern, die technisch versiert sind und somit
die vollumfängliche Tragweite der Thematik verstehen, haben wir eruiert,
dass AI im englischsprachigen Raum auf einem Spektrum eher in der Nähe
von Business Intelligence (BI) verortet wird (siehe Abbildung 2,
rechts). KI wird im deutschsprachigen Raum wiederum eher in die Nähe von
Intelligenz (links) gebracht, was der Technologie daher eher die
Konnotation der Intelligenz mitgibt.&lt;/p&gt;
&lt;figure&gt;&lt;img alt="Spektrum zwischen Intelligenzquotient und Business Intelligence" src="/images/blog/ki-uebersetzung/ai-uebersetzung.png"&gt;&lt;figcaption&gt;&lt;strong&gt;Abbildung 2.&lt;/strong&gt; Spektrum zwischen dem Intelligenzquotient, welcher häufig „zur Bewertung
des intellektuellen Leistungsvermögens (Wikipedia) dient, und Business Intelligence,
was „Verfahren und Prozesse zur systematischen Analyse des eigenen Unternehmens"
(Klumbies, 2012) umfasst. Das Spektrum soll eine Möglichkeit bieten zwischen unterschiedlichen
Übersetzungsmöglichkeiten von „intelligence" zu differenzieren.&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;p&gt;Wenn wir &lt;em&gt;Artificial Intelligence&lt;/em&gt; als generierte Information verstehen,
wäre klarer, was schwache KI in den meisten Fällen leistet: zusätzliche
Einsichten und bislang nicht vorhandene Information zu einem
Sachverhalt. Dabei soll eins nicht außer Acht gelassen werden: Selbst
mit einer schwachen KI können wir intelligente Lösungen bauen, die uns
den Alltag erleichtern oder uns Erkenntnisse bringen, die wir
andernfalls nicht hätten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch die starke KI kann dazu beitragen, unsere Welt lebenswerter,
präziser und komfortabler zu machen. Viele Anwendungen in der Robotik,
Medizin und dem autonomen Fahren wäre ohne KI nicht denkbar und ganz
gewiss werden diese die nächsten Jahre maßgeblich prägen. Doch auf
absehbare Zeit wird diese Technologie keine dem Menschen ebenbürtige
Intelligenz oder gar Superintelligenz (Good, 1965) hervorbringen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;So sprechen Data Scientists in den wenigsten Fällen von KI. Das Vorgehen
der Analyse von Daten mit gewissen Unsicherheiten hin zu bislang
fehlender Information, bezeichnen wir als Data Science. Der Rest ist
Science Fiction.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href="https://www.linkedin.com/in/dr-martin-schmidt-98374a150/"&gt;Prof. Dr. Martin
Manhembué&lt;/a&gt;
arbeitet als Data Science Manager bei der Deutsche Bahn AG. Er
unterrichtet an der Digital Business University of Applied Science und ist
ein assoziierter Forscher am Humboldt Institute for Internet and Society
(HIIG). Martin hat Agrarwissenschaften studiert und im Bereich der
Umweltmodellierung promoviert.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Literatur&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Brockman, J. (2019). &lt;em&gt;Possible minds: Twenty-five ways of looking at AI&lt;/em&gt;.
Penguin Press.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Good, I. J. (1965). Speculations concerning the first ultraintelligent
machine.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Klumbies, H. (2012, 4. Juli). Geschäftsanalytik: Datengrundlagen für
Entscheidungen schaffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nilsson, N. J. (2009). &lt;em&gt;The quest for artificial intelligence: A history
of ideas and achievements&lt;/em&gt;. Cambridge University Press.&lt;/p&gt;</content><category term="blog"/></entry><entry><title>Die 7 Aufgaben im Data Science Management</title><link href="https://preview.idist.io/blog/sieben-aufgaben-data-science-management/" rel="alternate"/><published>2021-10-09T00:00:00+02:00</published><updated>2021-10-09T00:00:00+02:00</updated><author><name>Prof. Dr. Martin Manhembué, Prof. Dr. Marcel Hebing</name></author><id>tag:preview.idist.io,2021-10-09:/blog/sieben-aufgaben-data-science-management/</id><summary type="html">&lt;p&gt;Data Science Manager*innen erhöhen die Professionalität von Data Science Teams und tragen zum Aufbau einer datengetriebenen Organisationskultur bei. In diesem Artikel geben wir einen Überblick über die wesentlichen Aspekte dieses neuen Berufsbilds.&lt;/p&gt;</summary><content type="html">&lt;p&gt;Dieser Artikel erschien zuerst in englischer Sprache als &lt;a href="https://towardsdatascience.com/the-7-tasks-in-data-science-management-b01f2a48c846"&gt;The 7 Tasks in Data
Science
Management&lt;/a&gt;
auf &lt;em&gt;Towards Data Science&lt;/em&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In allen Wirtschaftsbereichen entstehen stetig neue Anwendungsfälle für
Data Science. Und mit ihnen wächst von KMUs (Kleinen und Mittelständigen
Unternehmen) bis hin zu Großkonzernen die Anzahl an Data Scientists
sowie die Größe und die Komplexität der Teams, die an zu lösenden
Fragestellungen arbeiten. Dabei zeigt sich jedoch, dass nur eine geringe
Anzahl von Data Science Projekten (22%) nennenswerte Umsätze generieren
und dass ein Großteil der Projekte schlichtweg scheitert (60 bis 85%)
(&lt;a href="https://www.springer.com/de/book/9781484251034"&gt;Atwal, 2020&lt;/a&gt;). Dies
wirft die Frage auf: Wie gehen wir mit der wachsenden Komplexität des
Managements von Data Science um?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In diesem Artikel wollen wir&lt;/p&gt;
&lt;ol&gt;
&lt;li&gt;definieren, was Data Science Management ist,&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;die Vorteile für die Entwicklung einer Data Science Kultur
    verdeutlichen,&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;die Aufgaben von Data Science Manager*innen und deren Notwendigkeit
    im Unternehmen aufzeigen,&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;die Notwendigkeit für Data Science Manager*innen in Unternehmen
    aufzeigen&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;und überlegen, wie entsprechende Kandidat*innen für den Job
    gefunden werden können.&lt;/li&gt;
&lt;/ol&gt;
&lt;h2&gt;Was ist Data Science Management?&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Data Scientists sind u.a. gut ausgebildete
Informationswissenschaftler*innen, Naturwissenschaftler*innen,
Sozialwissenschaftler*innen und Mathematiker*innen. Einige haben sogar
Data Science als eigenständige Disziplin studiert, nachdem entsprechende
Studiengänge seit jüngster Zeit angeboten werden. Sie lösen praktische
Probleme in den Unternehmen, hinterfragen eingefahrene Routinen und
lieben die Welt der Zahlen. Sie geben Einblicke in komplexe
Prozessabläufe, analysieren gigantische Datensätze und stellen sich
immer neuen Herausforderungen. Sie helfen durch automatisierte Prozesse
Zeit zu sparen und gestalten die Zukunft der Unternehmen mit. Doch
manchmal verbeißen sich Data Scientists leider auch mal in ein Problem
und verlieren den Fokus auf die eigentlichen Herausforderungen. Das ist
der Moment, wo Data Science Manager*innen ins Spiel kommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um einen strategischen Vorteil zu erlangen, müssen Unternehmen zunehmend
die Potenziale von Daten aus vielfältigen Datenquellen erschließen,
diese zusammenführen und in anwendbares Wissen überführen. In vielen
Fällen entsteht dabei der Fehlschluss, mehr Daten (\"big data\") sei
automatisch besser, was leider nicht immer zutrifft. Vielmehr brauchen
wir die richtigen Daten, passend zur jeweiligen Fragestellung. Dies
nennen wir häufig \"smart data\". Smart Data fokussiert die Diskussion
auf die Art und Weise wie Daten ergebnisorientiert zusammengeführt und
aufbereitet werden, um so die wesentlichen Herausforderungen angehen zu
können (&lt;a href="https://onlinelibrary.wiley.com/doi/book/10.1002/9781119116189"&gt;Iafrate, 2015&lt;/a&gt;).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Viele Unternehmen stellen bereits eigene Data Scientists an. Die
Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehung birgt jedoch Enttäuschungspotenzial:
Unternehmen sind häufig nur unzureichend darauf vorbereitet, sowohl was
die technischen Infrastrukturen als auch die Einbindung dieses neuen
Berufsbilds in die Organisationsabläufe angeht. Solche Fehler führen
dazu, dass Data Scientists nicht ihre Stärken ausspielen können. Die
Data Scientists auf der anderen Seite fühlen sich dann häufig
unterfordert und fangen an sich zu langweilen, was wiederum zu
Frustration führt. Im schlimmsten Fall zahlen Unternehmen also viel Geld
für Data Scientists, die aufgrund der gegebenen Arbeitsbedingungen ihre
Potenziale nicht entfalten können.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Entwicklung einer datengetriebenen Organisationskultur&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Data Science Manager*innen sind sich dieser Fallstricke von Anfang an
bewusst und können sowohl Unternehmen als auch neue Kandidatinnen und
Kandidaten optimal auf die Zusammenarbeit vorbereiten. In Abbildung 1
finden sich einige praktische Maßnahmen, welche durch sie in der
täglichen Arbeit gut umgesetzt werden können, um eine datengetriebene
Organisationskultur im Unternehmen zu fördern:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Siehe auch: &lt;a href="https://www.impactdistillery.com/digitale-transformation/datengetriebene-organisationskultur/"&gt;Fünf erste Schritte zu einer datengetriebenen Organisationskultur&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;figure&gt;&lt;img alt="Bausteine einer datengetriebenen Organisationskultur" src="/images/blog/sieben-aufgaben-data-science-management/tasks.png"&gt;&lt;figcaption&gt;&lt;strong&gt;Abbildung 1.&lt;/strong&gt; Wesentliche Bausteine, um eine datengetriebene
Organisationskultur im Unternehmen aufzubauen, welche erfolgreiche und
nachhaltige Data Science Projekte ermöglicht. Abbildung der Autoren (CC BY
4.0).&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;p&gt;Data Science Manager*innen denken voraus. Sie müssen erkennen, welche
Themen und Fragestellungen im Unternehmen an Bedeutung gewinnen, um die
Data Scientists im Team rechtzeitig darauf vorbereiten zu können. Sie
wollen Barrieren abbauen (vor allem beim Datenzugriff) und schaffen
notwendige Austauschformate und Informationskanäle (&lt;a href="https://towardsdatascience.com/what-are-the-qualities-of-a-great-data-science-manager-6c936240cbb"&gt;Bhatti,
2017&lt;/a&gt;).
Da Data Science eine Art Teamsport ist, sollten Data Science
Manager*innen motivieren im Team zusammenzuarbeiten und ein Gefühl der
Zusammengehörigkeit schaffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und letztlich brauchen Data Science Manager*innen auch ein gutes Stück
Handlungs- und Entscheidungsfreiheit. Data Scientists arbeiten in einem
sich stetig weiterentwickelnden Feld, daher sind auch entsprechende
Ressourcen, beispielsweise um an Konferenzen und Weiterbildungen
teilnehmen zu können, notwendig. Im Hinblick auf die gesamte
Unternehmung sollten Data Science Manager*innen dabei mehr als
Botschafter*innen denn als Führungskräfte verstanden werden, welche für
den optimalen Einsatz von Data Science Technologien einstehen.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Aufgaben der Data Science Manager*innen&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Im Arbeitsalltag von Data Science Manager*innen gibt es ein ganzes Set
von wiederkehrenden Aufgaben, welche wir in Abbildung 2 zusammengestellt
haben. Auch wenn es viele Überschneidungen zu (agilen)
Software-Entwicklungsteams gibt, stechen ein paar Punkte heraus. Im
Folgenden wird auf diese Punkte näher eingegangen.&lt;/p&gt;
&lt;figure&gt;&lt;img alt="Dreieck des Informationsflusses im Data Science Management" src="/images/blog/sieben-aufgaben-data-science-management/modell.png"&gt;&lt;figcaption&gt;&lt;strong&gt;Abbildung 2.&lt;/strong&gt; Das Dreieck des Informationsflusses im Data Science Management.
Die blauen Pfeile stellen pull-Beziehungen dar, also Informationen, die gezielt eingefordert
werden. Die grauen Pfeile hingegen stellen push-Beziehungen dar, bei denen aktiv
auf die Gegenseite zugegangen wird. Während Data Science Manager*innen sowohl auf
das Team als auch auf die Stakeholder aktiv zugehen, ist die push-Beziehung vom Data
Science Team zu den Stakeholdern bewusst unterbrochen, um eine &lt;em&gt;team bubble&lt;/em&gt; (also
eine geschützte Arbeitsumgebung) für die Mitglieder des Teams zu schaffen. Neben
der Pflege der Informationsflüsse und Beziehungen im Dreieck, liegen natürlich auch
noch grundlegende Projektmanagementaufgaben bei den Data Science Manager*innen.
Abbildung der Autoren (CC BY 4.0).&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;h3&gt;Aufgabe 1) Anforderungsmanagement&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Der Ausgangspunkt für die meisten Data Science Projekte ist das Gespräch
mit den Stakeholdern, um herauszufinden, was deren Anforderungen und
Wünsche an das Projekt sind. Es geht also vor allem darum, Informationen
zu sammeln und ein besseres Verständnis für das &lt;em&gt;business problem&lt;/em&gt; zu
entwickeln (vgl. &lt;a href="https://mineracaodedados.files.wordpress.com/2012/04/the-crisp-dm-model-the-new-blueprint-for-data-mining-shearer-colin.pdf"&gt;Shearer,
2000&lt;/a&gt;).
Es ist wichtig über Erwartungen zu sprechen, wobei letztlich die Frage
beantwortet werden soll, was sich für die Stakeholder verändert haben
wird, sobald das Data Science Projekt abgeschlossen ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die gesammelten Anforderungen müssen dann in analytische Fragestellungen
bzw. Aufgaben übersetzt werden, welche von Data Scientists bearbeitet
werden können (&lt;a href="https://www.oreilly.com/library/view/data-science-for/9781449374273/"&gt;Provost &amp;amp; Fawcett,
2013&lt;/a&gt;).
Weiterhin sollte der Umfang der Aufgaben in gut handhabbare Pakete
gegliedert werden, welche beispielsweise zunächst in einen &lt;em&gt;backlog&lt;/em&gt;
gesammelt und in &lt;em&gt;user stories&lt;/em&gt; übersetzt werden, wie es auch in der
(agilen) Softwareentwicklung üblich ist
(&lt;a href="https://www.scrum.org/resources/what-is-scrum"&gt;Scrum.org, o. D.&lt;/a&gt;).&lt;/p&gt;
&lt;h3&gt;Aufgabe 2) Zeit und Ressourcen&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Die Arbeit an komplexen Aufgaben ist meistens auch mit Unsicherheiten
verbunden. Entsprechend muss die Komplexität reduziert werden, um die
Projektkosten zu kalkulieren und entsprechend das zur Verfügung stehende
Budget planen zu können. Für die Stakeholder kann es hilfreich sein, die
Kosten an den &lt;em&gt;user stories&lt;/em&gt; festzumachen. Aber wie schon angedeutet
bedeutet Komplexität auch immer, dass mit verschiedenen Arten von
Unsicherheiten umzugehen ist. So ist es beispielsweise eine gutes
Vorgehen, Zeitpuffer in die Planung einzubauen, deren Umfang sich
insbesondere am Ausmaß der Unsicherheiten orientierten sollte. Weiterhin
bietet der Canvas of Uncertainty (vgf. Abbildung 3) eine gute Struktur,
um user stories nach Komplexität und Unsicherheiten zu sortieren, um so
einen besseren Überblick zu gewinnen.&lt;/p&gt;
&lt;figure&gt;&lt;img alt="Rumsfeld-Matrix als Canvas of Uncertainty" src="/images/blog/sieben-aufgaben-data-science-management/rumsfeld-matrix.png"&gt;&lt;figcaption&gt;&lt;strong&gt;Abbildung 3.&lt;/strong&gt; Die Rumsfeld Matrix kann als &lt;em&gt;Canvas of Uncertainty&lt;/em&gt;
genutzt werden (&lt;a href="https://www.thepersimmongroup.com/how-to-use-the-knowns-and-unknowns-technique-to-manage-assumptions/"&gt;Fournet,
2019&lt;/a&gt;).
Welche Faktoren sind bereits bekannt (und können berechnet werden), wo
fehlen Informationen, welche aber dritte potentiell haben (nachfragen!),
welche Informationen sind unbekannt und werden es wohl noch eine Zeit lang
bleiben (beispielsweise Börsenwerte oder das Wetter) und wie umfangreich
sind für gewöhnlich komplett unerwartete Dinge, welche unsere Planung
durcheinander bringen werden? Aufgrund des letzten Aspekts multiplizieren
manche Software-Manager ihre Schätzungen am Ende noch mal mit einem
bestimmten Faktor (beispielsweise Pi, also \~3.14159), um besser darauf
vorbereitet zu sein (&lt;a href="https://www.baselinemag.com/c/a/IT-Management/For-Technology-Projects-Multiply-by-Pi"&gt;Strom,
2008&lt;/a&gt;).
Abbildung der Autoren (CC BY 4.0).&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;p&gt;Es ist unerlässlich, dass Mitarbeitende mit den jeweils notwendigen
Kompetenzen für das Projekt bereitstehen. Und vor allem müssen sie auch
die zeitlichen Kapazitäten haben, sich entsprechend einzubringen. Dabei
geht es natürlich auch darum, die Beteiligten nicht mit zu vielen
Projekten gleichzeitig zu überlasten, auch weil mit der Anzahl der
Projekte die Transaktionskosten durch den Wechsel zwischen den Projekten
schnell ansteigen (&lt;a href="https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/bs.3830210409"&gt;Weinberg,
1975&lt;/a&gt;).
Wenn eine bestimmte Aufgabe nur von einer einzigen Person im Team gelöst
werden kann, stellt dies automatisch ein Risiko für das gesamte Projekt
dar. Ebenso ist bereits im Vorfeld die Verfügbarkeit der Daten
sicherzustellen. Es gibt wohl kaum eine unnötigere Verschwendung von
Ressourcen als gelangweilte Data Scientists, wenn die Daten zur Arbeit
nicht verfügbar sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um einen Überblick über Zeit und Ressourcen zu bekommen, bieten sich die
folgenden Fragen an (angelehnt an &lt;a href="http://www.vahlen.de/productview.aspx?product=25337909&amp;amp;medium=print"&gt;Seiter,
2019&lt;/a&gt;):&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;
&lt;li&gt;Team: Welche Expertise ist erforderlich? Sind die richtigen
  Mitarbeitenden an Bord und haben sie ausreichend zeitliche
  Kapazitäten?&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;Daten: Welche Daten stehen zur Verfügung (&lt;em&gt;in-house&lt;/em&gt;, offene
  Datenquellen oder durch Zukauf) und bieten sie eine entsprechende
  Datenbasis, um die vorliegenden Forschungsfragen bearbeiten zu
  können? Ist es notwendig eine eigene Datenerhebung durchzuführen
  (beispielsweise eine Befragung)?&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;Infrastruktur: Stehen die notwendigen Ressourcen zur Verfügung
  (Software, Hardware, Cloud)?&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;Diese Fragen sollten auch helfen, ggf. vergessene Stakeholder oder
Personen zu identifizieren, die noch einzubeziehen sind (beispielsweise
die IT- oder Rechtsabteilung).&lt;/p&gt;
&lt;h3&gt;Aufgabe 3) Promotion&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Projektfortschritt und -ergebnisse müssen Stakeholdern in der Form
präsentiert werden, dass alle „auf einem Nenner" sind. Data Science
Manager*innen müssen sich darauf vorbereiten, dass die Komplexität der
Fragen mit Fortschreiten des Projekt durchaus steigen können – wenn das
entsprechende Produkt sich entwickelt und greifbarer wird, werden die
Stakeholder auch genauer in einzelne Details gehen wollen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Entsprechend ist es hilfreich auch schon vorläufige Ergebnisse in
regelmäßigen Abständen zu reviewen und im Blick zu behalten, wie es sich
beispielsweise aus einem Sprint-Design – wie in Scrum – ergibt
(&lt;a href="https://www.scrum.org/resources/what-is-scrum"&gt;Scrum.org, o. D.&lt;/a&gt;). In vielen
Fällen macht es Sinn, dabei ausgewählte Stakeholder einzubeziehen,
insbesondere auch in Hinblick auf mögliche zukünftige Projekte. Wenn
Stakeholder sich gut abgeholt und informiert fühlen, steigen auch die
Chancen für erfolgreiche Kooperationen in der Zukunft.&lt;/p&gt;
&lt;h3&gt;Aufgabe 4) Rahmen und Kontext&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Schauen wir noch einmal auf das Team. Jedes Mitglied sollte die Vision
des Projekts und seine Roadmap (inklusive Zeitplanung) kennen und
verstehen. Dabei sollte aber auch jeder und jede über aktuelle
Entwicklungen im Projekt informiert sein und ggf. die Möglichkeit haben,
eigene Gedanken und Überlegungen einzubringen. Gleichzeitig müssen Data
Science Manager*innen aber manchmal auch die Spaßbremse sein, die
sicherstellt, dass das Projekt den Fokus auf das angestrebte Ziel behält
und die Teammitglieder sich nicht in Nebensächlichkeiten verlieren, auch
wenn diese manchmal unterhaltsamer und interessanter wirken mögen als
die eigentlichen Arbeitsaspekte.&lt;/p&gt;
&lt;h3&gt;Aufgabe 5) Kommunikation fördern und moderieren&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Soweit es dem Projekt zuträglich ist, sollten Data Science
Manager*innen die Kommunikation zwischen Projektteam, Stakeholdern und
anderen Parteien fördern und moderieren. Insbesondere sollten Prozesse,
Methoden und Ziele gut zwischen allen Beteiligten abgestimmt und
kommuniziert werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Abbildung 2 ist diese Aufgabe als pull-Beziehung modelliert, bei der
das Data Science Team notwendige Informationen von den Stakeholdern
erhält. Dies ist ein ganz wesentlicher Aspekt unseres Modells: Das Team
bekommt zwar die notwendigen Informationen der Stakeholder, ist aber
andersherum ein Stück weit von Anfragen seitens der Stakeholder
abgeschirmt (siehe nächster Punkt).&lt;/p&gt;
&lt;h3&gt;Aufgabe 6) Team Bubble&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Weitergehende Probleme sind so gut wie möglich vom Data Science Team
fernzuhalten, damit dieses sich bestmöglich auf die inhaltlichen
Aufgaben konzentrieren kann. So kann es beispielsweise helfen, coding
days einzuführen oder den Vormittag für konzentrierte Arbeit zu
reservieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Leider ist eine perfekte &lt;em&gt;team bubble&lt;/em&gt; in der Realität meist sehr
unrealistisch, auch weil Anforderungen regelmäßig mit den Stakeholdern
nachjustiert werden müssen. Wenn dabei nicht alle Informationen
vorliegen, kann es wichtig sein, die entsprechenden Data Scientists in
Meetings einzubeziehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href="http://www.paulgraham.com/makersschedule.html"&gt;Graham (2009)&lt;/a&gt;
unterscheidet dabei &lt;em&gt;maker&lt;/em&gt; (das Team) und &lt;em&gt;manager&lt;/em&gt; (Data Science
Manager*innen und die meisten Stakeholder) in Bezug darauf, mit welcher
Zeiteinteilung sie am besten und effektivsten arbeiten können. Während
es für Data Science Manager*innen und Stakeholder absolut normal sein
mag, den Tag in einstündigen Einheiten zu planen und dann von Meeting zu
Meeting zu wechseln, wäre diese Zeiteinteilung das Schlimmste, was man
dem Data Science Team zumuten könnte. Dies braucht deutlich längere
Zeitintervalle (4+ Stunden) für ununterbrochene, konzentrierte Arbeit.
Und ununterbrochen meint dabei wirklich ohne jede Unterbrechung von
außen – selbst vermeintlich kleine Unterbrechungen von 5 Minuten
brauchen im Anschluss häufig 20–30 Minuten, um wieder zur Aufgabe
zurückfinden und voll konzentriert weiterarbeiten zu können.&lt;/p&gt;
&lt;h3&gt;Aufgabe 7) essentielles Projektmanagement&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Die meisten Data Science Projekte brauchen essentielles
Projektmanagement. Sobald Zeit und Ressourcen geplant sind (siehe oben)
kann ein Zeitplan entwickelt werden, was je nach Methode unterschiedlich
schwierig sein kann. Einige Dinge sind grundsätzlich zu beachten:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;
&lt;li&gt;Ziele im Blick behalten, den Projektfortschritt monitoren und die
  finanziellen Ressourcen überwachen,&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;Qualität von Prozessen und Ergebnissen sichern,&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;Dokumentation, Aufgaben und Meetings organisieren und pflegen,&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;Urlaube, Krankheitstage und ggf. Trainings im Blick behalten und&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;das Team motiviert und zufrieden halten.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;
&lt;h2&gt;Wie finden wir Data Science Manager*innen?&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;"Managers coming from software engineering or business side functions
(finance, accounting, etc.) can have trouble understanding data
scientists and defining their project work." (vgl. &lt;a href="https://towardsdatascience.com/why-is-it-so-hard-to-find-great-data-science-managers-6fc8aac62f6e"&gt;Jee,
2019&lt;/a&gt;)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Management von Data Science Projekten ist nicht mit dem Management
von Gütern und Ressourcen gleichzusetzen. Hard- und Software spielen
zwar auch eine Rolle, aber am wichtigsten sind die beteiligten Menschen.
Im Bereich von Data Science finden wir vor allem Personen mit einem
akademischen Hintergrund, nicht selten auch promoviert, aus
verschiedenen Forschungsbereichen. Darin unterscheidet es sich von
klassischer Softwareentwicklung und den meisten anderen
Funktionsbereichen im Unternehmen (vgl. &lt;a href="https://towardsdatascience.com/why-is-it-so-hard-to-find-great-data-science-managers-6fc8aac62f6e"&gt;Jee,
2019&lt;/a&gt;).
Der hohe Bildungsgrad kommt meist auch mit hohen Gehaltsansprüchen und
Erwartungen an die Arbeitsbedingungen, auch in Hinblick auf
Selbstverwirklichung, selbstverantwortliches Arbeiten und Mitbestimmung.
Diese Punkte gelten für Data Scientists, aber natürlich auf für Data
Science Manager*innen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch wenn bereits die ersten Hochschulen und Universitäten damit
begonnen haben, Data Science Manager*innen auszubilden, wird es wohl
noch ein paar Jahre dauern, bis dieses neue Berufsbild sich etablieren
kann. In der Zwischenzeit werden Unternehmen wohl primär Personen für
diese Aufgaben anheuern, die sich in anderen Disziplinen entsprechend
spezialisiert haben und ihre Perspektive erweitern wollen. In den
meisten Fällen wird dies bedeuten, einen Nerd zu engagieren, der
besonderes Interesse an Kommunikations- und Managementaufgaben mitbringt
– zugegebenermaßen eine seltene Kombination.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Data Science Manager*innen sollten analytisches Denken, Erfahrung im
wissenschaftlichen Arbeiten und Sicherheit im Umgang mit Komplexität
mitbringen – wir suchen einen klugen Kopf mit viel Neugierde. Data
Science Manager*innen sollten sicher bei Kunden und vor dem Management
präsentieren und verhandeln können, aber genauso auch im Team
Anerkennung finden, beispielsweise dafür, jede Berechnung auf 42
hinauslaufen zu lassen (wenn sie diese Referenz nicht verstehen, sollten
Sie dringend eine*n Data Science Manager*in engagieren).&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Zusammenfassung&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Data Science Management ist für jedes Vorhaben unerlässlich, das seine
Prozesse mit datengetriebenen Entscheidungen optimieren will. Dies
umfasst die Organisation von iterativen Prozessen mit dem Ziel, neue
Einsichten mithilfe von wissenschaftlichen Methoden zu gewinnen, genauso
wie die Automatisierung von daten- und softwarebasierten
Infrastrukturen, um Geschäftsziele zu erreichen. &lt;em&gt;Best practices&lt;/em&gt;
betreffen hierbei das Anforderungsmanagement, die Verwaltung von Zeit
und Ressourcen, die Interaktion mit Stakeholdern und die Anleitung des
Teams. Dabei bedeutet Data Science Management insbesondere,
Kommunikationskanäle zu etablieren, eine &lt;em&gt;team bubble&lt;/em&gt; für fokussierte
Arbeit zu schaffen und ganz grundlegendes Projektmanagement umzusetzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nach heutigem Stand sind analytisches Denken, Programmiererfahrung und
ein grundlegendes Verständnis von Data Science ganz wesentliche Teile
einer Unternehmensentwicklung. Für viele Unternehmen ist es inzwischen
selbstverständlich, sich zunehmend auf digitale Geschäftsmodelle zu
konzentrieren, basierend auf Methoden des Data Minings und Machine
Learnings. Die Entwicklung eines datengetriebenen Geschäftsmodells ist
ein komplexer Prozess mit vielen Fallstricken. Entsprechend klug ist es
schon jetzt, Data Science Manager*innen einzustellen, die sich in den
kommenden Jahren immer mehr als eigenständiges Berufsbild etablieren
werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Über die Autor:innen&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href="https://www.linkedin.com/in/dr-martin-schmidt-98374a150/"&gt;Prof. Dr. Martin
Manhembué&lt;/a&gt;
arbeitet als Data Science Manager bei der Deutsche Bahn AG. Er
unterrichtet an der Digital Business University of Applied
Science und ist ein assoziierter Forscher am
Humboldt Institute for Internet and Society (HIIG).
Martin hat Agrarwissenschaften studiert und im Bereich der
Umweltmodellierung promoviert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href="https://www.linkedin.com/in/marcel-hebing/"&gt;Prof. Dr. Marcel
Hebing&lt;/a&gt; ist Professor für
Data Science an der Digital Business University of Applied
Science, Gründer der Impact
Distillery und assoziierter Forscher
am Humboldt Institute for Internet and
Society (HIIG). Marcel hat in der Schnittmenge von
Statistik, Informatik und Sozialwissenschaften promoviert.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Literatur&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Atwal, H. (2020). &lt;a href="https://www.springer.com/de/book/9781484251034"&gt;&lt;em&gt;Practical DataOps&lt;/em&gt;&lt;/a&gt;.
Apress. https://doi.org/10.1007/978-1-4842-5104-1&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bhatti, B. (2017). &lt;a href="https://towardsdatascience.com/what-are-the-qualities-of-a-great-data-science-manager-6c936240cbb"&gt;What are the qualities of a great data science
manager?&lt;/a&gt;.
&lt;em&gt;Towards Data Science&lt;/em&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Chang, R. (2019). &lt;a href="https://medium.com/deliberate-data-science/so-you-want-become-a-data-science-manager-4ff9544e6827"&gt;So you want to become a data science
manager?&lt;/a&gt;.
&lt;em&gt;Deliberate Data Science&lt;/em&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Eva, N., Robin, M., Sendjaya, S., van Dierendonck, D., &amp;amp; Liden, R. C.
(2019). &lt;a href="https://doi.org/10.1016/j.leaqua.2018.07.004"&gt;Servant leadership: A systematic review and call for future
research&lt;/a&gt;. &lt;em&gt;The Leadership
Quarterly&lt;/em&gt;. https://doi.org/10.1016/j.leaqua.2018.07.004&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Fournet, B. (2019). &lt;a href="https://www.thepersimmongroup.com/how-to-use-the-knowns-and-unknowns-technique-to-manage-assumptions/"&gt;How to use the "knowns" and "unknowns" technique to
manage assumptions&lt;/a&gt;.
&lt;em&gt;The Persimmon Group&lt;/em&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Graham, P. (2009). &lt;a href="http://www.paulgraham.com/makersschedule.html"&gt;Maker's schedule, manager's
schedule&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Iafrate, F. (2015). &lt;a href="https://onlinelibrary.wiley.com/doi/book/10.1002/9781119116189"&gt;&lt;em&gt;From big data to smart
data&lt;/em&gt;&lt;/a&gt;.
John Wiley &amp;amp; Sons. https://doi.org/10.1002/9781119116189&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Jee, K. (2019). &lt;a href="https://towardsdatascience.com/why-is-it-so-hard-to-find-great-data-science-managers-6fc8aac62f6e"&gt;Why is it so hard to find great data science
managers?&lt;/a&gt;.
&lt;em&gt;Towards Data Science&lt;/em&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Provost, F., &amp;amp; Fawcett, T. (2013). &lt;a href="https://www.oreilly.com/library/view/data-science-for/9781449374273/"&gt;&lt;em&gt;Data science for
business&lt;/em&gt;&lt;/a&gt;.
O'Reilly Media.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seiter, M. (2019). &lt;a href="http://www.vahlen.de/productview.aspx?product=25337909&amp;amp;medium=print"&gt;&lt;em&gt;Business
analytics&lt;/em&gt;&lt;/a&gt;.
Vahlen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Shearer, C. (2000). &lt;a href="https://mineracaodedados.files.wordpress.com/2012/04/the-crisp-dm-model-the-new-blueprint-for-data-mining-shearer-colin.pdf"&gt;The CRISP-DM model: The new blueprint for data
mining&lt;/a&gt;.
&lt;em&gt;Journal of Data Warehousing&lt;/em&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Scrum.org. (o. D.). &lt;a href="https://www.scrum.org/resources/what-is-scrum"&gt;What is
Scrum?&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Strom, D. (2008). &lt;a href="https://www.baselinemag.com/c/a/IT-Management/For-Technology-Projects-Multiply-by-Pi"&gt;For technology projects, multiply by
pi&lt;/a&gt;.
&lt;em&gt;Baseline&lt;/em&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weinberg, G. M. (1975). &lt;a href="https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/bs.3830210409"&gt;&lt;em&gt;An introduction to general systems
thinking&lt;/em&gt;&lt;/a&gt;.
Wiley.&lt;/p&gt;</content><category term="blog"/></entry><entry><title>Tobias Krüger, was ist die größere Herausforderung: Mensch oder Technologie?</title><link href="https://preview.idist.io/blog/tobias-krueger-herausforderungen-digitale-transformation/" rel="alternate"/><published>2021-01-25T00:00:00+01:00</published><updated>2021-01-25T00:00:00+01:00</updated><author><name>Carolin Stolpe, Tobias Krüger</name></author><id>tag:preview.idist.io,2021-01-25:/blog/tobias-krueger-herausforderungen-digitale-transformation/</id><summary type="html">&lt;p&gt;In unseren Interviews sprechen wir mit Expertinnen und Experten über die Chancen und Herausforderungen von Data Science in der digitalen Transformation. Im Gespräch mit Tobias Krüger geht es um die wachsende Bedeutung der Unternehmenskultur und wie Digitalkompetenzen in Unternehmen gefördert werden können.&lt;/p&gt;</summary><content type="html">&lt;p&gt;Die &lt;a href="https://www.linkedin.com/company/ottogroup/"&gt;Otto Group&lt;/a&gt; gehört zu
den First Movern, wenn es um das Thema Kulturwandel in der digitalen
Transformation geht. Verantwortlich dafür ist &lt;a href="https://www.linkedin.com/in/tobias-krueger-5570a9a9/"&gt;Tobias
Krüger&lt;/a&gt;, Division
Manager für den Kulturwandel 4.0. Das Interview führt &lt;a href="/experts/carolin-stolpe/"&gt;Carolin Stolpe&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;In unseren Interviews sprechen wir mit Expertinnen und Experten über die
Chancen und Herausforderungen von Data Science in der digitalen
Transformation. Im Gespräch mit Tobias Krüger geht es um die wachsende
Bedeutung der Unternehmenskultur und wie Digitalkompetenzen in
Unternehmen gefördert werden können.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Tobias Krüger, was ist die größere Herausforderung in der digitalen Transformation? Mensch oder Technologie?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Bei der &lt;em&gt;Otto Group&lt;/em&gt; haben wir für uns gelernt, dass die technische
Komponente bzw. die Technologie &lt;em&gt;per se&lt;/em&gt; eigentlich immer gut
beherrschbar ist. Das geht mal etwas schneller oder auch etwas
langsamer, lässt sich im Zweifel aber häufig auch über mehr Geld lösen.
Viele Daten- und IT-Services lassen sich ja auch am Markt einkaufen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Damit ist die digitale Transformation für uns kein primär
technologisches Thema, denn das bekommst du am Ende immer irgendwie
gelöst, sondern es ist vor allem ein kulturelles Thema. Wie schaffst du
es, das Mindset zu verändern und eben nicht nur die Anwendung von
Technologien in einem Unternehmen zuzulassen? Wie müssen sich auf einer
Metaebene Rahmenbedingungen verändern? Welche Werte und neuen
Verhaltensweisen werden gefordert?&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Wie sehen solche veränderten Rahmenbedingungen aus?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Ich glaube, man muss viel mehr in &lt;em&gt;Enabling&lt;/em&gt; investieren. Ein gutes
Beispiel ist die Einführung von &lt;em&gt;Office 365,&lt;/em&gt; das wir 2020 im gesamten
Unternehmen eingeführt haben. Das technische Rollout hat vielleicht 10
Prozent des gesamten Prozesses ausgemacht, das Adaptionskonzept dagegen
90 Prozent. Dazu gehören Use Case Shopping, das Aufbauen von
Communities, Mitarbeitenden Ängste zu nehmen und Arbeitsabläufe
umzustellen. Das Verhältnis ist natürlich nicht immer 10 : 90, aber
ähnlich für viele Projekte in der digitalen Transformation.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Was ist noch wichtig?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Vertrauen und eine gewisse Transparenz in der Kommunikation sind
wichtig. Akzeptanzprobleme entstehen immer dann, wenn man sich in einer
Unternehmenskultur bewegt, die nicht zulässt, Ängste auszusprechen. Wir
versuchen deshalb, Mitarbeitende in ihren lokalen Kontexten und lokalen
Ängsten abzuholen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich glaube, neben diesen Themen ist es auch wichtig, den Mitarbeitenden
hohe Freiheitsgrade zu schaffen. Als Unternehmen versuchen wir
Richtlinien und Leitplanken zu entwickeln, also einen Rahmen
abzustecken, innerhalb dessen man sich mit relativ großer Freiheit
bewegen können soll.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Du musst in deinem Menschenbild darauf vertrauen, dass deine
Mitarbeitenden das, was sie machen, gut machen und Expertinnen und
Experten dafür sind, was sie tun. Weil nur so der Freiraum geschaffen
wird, den Herausforderungen, welche die Digitalisierung mit sich bringt,
überhaupt begegnen zu können.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Wird das Thema &lt;em&gt;Unternehmenskultur in der digitalen Transformation&lt;/em&gt; präsenter?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Seit 2018 erlebe ich eine starke Zunahme an Unternehmen, die sich mit
dem Thema Unternehmenskultur beschäftigen. Und ich denke, dass wir noch
nicht den Peak gesehen haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Spannend daran finde ich auch die Perspektive, die Unternehmen auf das
Thema Unternehmenskultur haben. Die meisten Organisationen haben eine
sehr klare Außenperspektive, welche Anpassungen der Unternehmenskultur
der Markt erfordert. Es gibt also einen sehr sichtbaren Druck von außen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was viele Unternehmen aber nicht so klar haben, ist die
Innenperspektive, dass auch Mitarbeitende eine Anpassung der
Unternehmenskultur an die Digitalisierung erwarten. Mitarbeitende werden
in ihrem täglichen Leben immer digitaler. Selbst die Oma benutzt ihr
Smartphone und schreibt über WhatsApp mit ihren Enkeln. Da kannst du
heute nicht mehr davon ausgehen, dass Mitarbeitende durch das Firmentor
schreiten und ihre digitale Haut abstreifen. Sie haben keine Lust mehr
auf anachronistische und analoge Prozesse. Dieser Innendruck ist nicht
zu verachten.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Wie schaffen Organisationen Offenheit gegenüber Data Science-Ansätzen im Unternehmen?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Ich glaube, auf der Metaebene ist es zunächst einmal sehr wichtig, dass
es eine viel stärkere Durchdringung von Menschen mit digitalem Mindset
im Unternehmen gibt. Und dieses digitale Mindset beinhaltet meistens
auch einen stärkeren Daten-Fokus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Ziel ist es dabei, eine kritische Masse zu erreichen. Im Zweifel
muss dann gar nicht mehr jede oder jeder überzeugt werden. Wenn
beispielsweise alle über &lt;em&gt;Microsoft Teams&lt;/em&gt; kommunizieren, dann musst du
das eben auch, sonst findest du nicht mehr statt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;–&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Begriff der kritischen Masse findet sich auch in der Diffusionstheorie
nach Everett Rogers wieder&lt;em&gt;,&lt;/em&gt; einer Theorie zur Verbreitung von Innovationen
in sozialen Systemen. Die Einführung von Innovationen gleicht demnach einer
Diffusion, in der verschiedene Adaptionstypen die Innovation zeitlich
verzögert annehmen bzw. ablehnen. Erst wenn eine kritische Masse erreicht
wird, gilt eine Innovation als selbsttragend (Rogers, 2010).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;–&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was ich dabei aber auch beobachte, ist, dass in den Paradigmen bereits
viel gelöst ist, in der Breite der Mitarbeiterschaft aber noch
Digitalkompetenzen fehlen.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Kannst Du da ein konkretes Beispiel geben?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Ein Beispiel ist das Thema Datenzugang: &lt;em&gt;Per default&lt;/em&gt; sind heute alle
Daten für jede und jeden im Unternehmen verfügbar. Während du früher
immer Zugriffsrechte auf Daten beantragen musstest, müssen exklusive
Daten heute als &lt;em&gt;confidential&lt;/em&gt; markiert werden, damit diese nicht mehr
öffentlich durchsuchbar sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In den Paradigmen fand ein Kulturwandel in Bezug auf den Datenzugang
also bereits statt. Was aber noch in der Breite der Mitarbeiterschaft
fehlt, ist die Fähigkeit mit den Daten umgehen zu können, daraus
Insights zu generieren. Wobei man fairerweise fragen sollte: Muss jeder
und jede Mitarbeitende immer alles interpretieren können? Wohl eher
nicht. Wichtiger ist, dass das kulturelle Miteinander funktioniert, also
Daten-Analysten und Mitarbeitende aus den Fachabteilungen gut
zusammenarbeiten können.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Müssen Digitalkompetenzen von den Unternehmen stärker gefördert werden?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Ich kann das natürlich nur für die &lt;em&gt;Otto Group&lt;/em&gt; beurteilen, aber wir
haben für uns bestimmt, dass wir ein stärkeres Investment in die
breitere Bildung tätigen müssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich glaube, wir müssen in der Breite der Belegschaft eine soziale
Grammatik schaffen, sodass Grundbegriffe verstanden werden und wir uns
untereinander unterhalten können. Wenn ich aus der Perspektive der
Geschäftsführung immer nur in leere Augen schaue, dann funktioniert das
einfach nicht. Um den Austausch zu fördern, brauchen wir deshalb ein
gemeinsames Verständnis von Digitalisierung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;–&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Welches Vokabular müssen wir teilen, um gemeinsam über Daten sprechen zu
können? Dieser Frage gehen wir auch in unserem Artikel zu Data Literacy nach.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;–&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Wie lassen sich Digitalkompetenzen konkret fördern?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Bei der &lt;em&gt;Otto Group&lt;/em&gt; haben wir ein sehr klares Curriculum erarbeitet und
in Form eines Online-Kurses mit videobasierten Lerninhalten umgesetzt.
Uns ist es dabei wichtig, ein gemeinsames Verständnis für die
Digitalisierung bei unseren Mitarbeitenden zu schaffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Der Basiskurs ist deshalb für alle Mitarbeitenden Pflicht, von der
Person, die das Zustellfahrzeug fährt, bis zum Mitarbeitenden im
Call-Center. Uns ist es wichtig, dass beispielsweise jede und jeder
versteht: Was bedeutet Netzwerkökonomie? Warum ist das wesentlich für
uns? Was macht das mit uns? Warum müssen wir uns darauf vorbereiten?&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Was bedeutet das konkret für das Thema Daten?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;In den Videos diskutieren wir beispielsweise warum Daten für die &lt;em&gt;Otto
Group&lt;/em&gt; wichtig sind oder auch die Frage: Wie gehe ich mit Daten um? Ein
großes Modul behandelt auch das Thema Datenschutz: Was bedeutet
eigentlich Datenschutz? Warum ist die DSGVO wichtig? Welche Auswirkungen
hat die DSGVO auf meine tägliche Arbeit?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;–&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Abkürzung DSGVO steht für die seit 2018 anzuwendende
Datenschutz-Grundverordnung der Europäischen Union und regelt die Verarbeitung
personenbezogener Daten durch Unternehmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;–&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wichtig ist es dabei, eine gute Mischung aus Expertenwissen und Transfer
in den Unternehmenskontext zu finden, denn am Ende ist das ja real. Also
was hilft es dir, wenn ich dir erkläre, was eine Blockchain ist, aber
auf deine Frage »Habe ich jetzt verstanden -- aber was macht das jetzt
meinem Arbeitsplatz?« keine Antwort habe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn sich dann aber jemand hinstellt und sagt: »Das bedeutet für uns die
bessere Nachvollziehbarkeit von Lieferketten. Damit kann die Kundin oder
der Kunde genau sehen: Wurde das Produkt nachhaltig hergestellt? Wurde
es ohne Kinderarbeit angefertigt?« -- dann kannst du es viel besser in
einen Kontext einordnen.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Fällt es älteren Mitarbeitenden schwerer, sich auf die Digitalisierung einzulassen?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Dass ältere Mitarbeitende keine Lust auf Digitalisierung haben, halte
ich für eine Zuschreibung. Das ist eine der größten Erkenntnisse und
einer der größten Fehleinschätzungen, die ich so erlebe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich erlebe, dass viele Themen nicht getrieben sind von der Hierarchie,
von der Rolle, vom Geschlecht, von der Betriebszugehörigkeit oder von
der fachlichen Ausbildung, sondern aus einem Mensch sein. Bin ich
neugierig? Habe ich Lust auf neue Themen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ältere Mitarbeitende können genauso neugierig sein wie junge
Mitarbeitende. Oder junge Mitarbeitende können genauso avers sein wie
ältere, auch wenn in der Tendenz jüngere Menschen natürlich digital
affiner sind, einfach weil sie mit deutlich mehr Digitalität
aufgewachsen sind. Aber ich finde, da muss man schon sehr vorsichtig
sein, das nicht zu pauschalisieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Danke für das Gespräch, Tobias!&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das Interview führte &lt;a href="https://www.impactdistillery.com/carolin-stolpe/"&gt;Carolin
Stolpe&lt;/a&gt;, sie
erforscht, welchen Herausforderungen sich Organisationen auf dem Weg zur
&lt;em&gt;data-driven culture&lt;/em&gt; stellen müssen.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Literatur&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Rogers, E. M. (2010). &lt;em&gt;Diffusion of innovations&lt;/em&gt;. Simon &amp;amp; Schuster.&lt;/p&gt;</content><category term="blog"/></entry><entry><title>Explainable AI – Vertrauen ist gut, Verständnis ist besser</title><link href="https://preview.idist.io/blog/explainable-ai/" rel="alternate"/><published>2020-11-30T00:00:00+01:00</published><updated>2020-11-30T00:00:00+01:00</updated><author><name>Prof. Dr. Steffen Wagner</name></author><id>tag:preview.idist.io,2020-11-30:/blog/explainable-ai/</id><summary type="html">&lt;p&gt;Wenn Sie für die Entscheidung einer Maschine, die finanzielle, sicherheitsrelevante oder persönliche Interessen betrifft, zur Rechenschaft gezogen würden, würden Sie dieser Entscheidung blind vertrauen? Vermutlich nicht. Deshalb ist es wichtig, dass eine algorithmische Entscheidung um eine menschlich verständliche Erklärung erweitert wird, die eine Überprüfung der Sinnhaftigkeit erlaubt. Was dies konkret bedeutet, wird im Folgenden erörtert.&lt;/p&gt;</summary><content type="html">&lt;p&gt;_Wenn Sie für die Entscheidung einer Maschine, die finanzielle,
sicherheitsrelevante oder persönliche Interessen betrifft, zur
Rechenschaft gezogen würden, würden Sie dieser Entscheidung blind
vertrauen? Vermutlich nicht. Deshalb ist es wichtig, dass eine
algorithmische Entscheidung um eine menschlich verständliche Erklärung
erweitert wird, die eine Überprüfung der Sinnhaftigkeit erlaubt. Was
dies konkret bedeutet, wird im Folgenden erörtert.*&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn eine Unternehmung im Rahmen der digitalen Transformation daten- und
algorithmenbasiert Prozesse optimieren möchte, ist es wichtig, dass der
Einsatz dieser neuen Technologie von allen Stakeholdern akzeptiert wird.
Diese Akzeptanz muss aktiv geschaffen werden. Ein ganz wesentlicher Teil
hierbei ist es, Logik und Funktionsweise der algorithmischen Lösung zu
veranschaulichen und nicht nur auf grundlegendes Vertrauen in digitale
Prozesse per se zu setzen. Dies gelingt, wenn folgende Fragen klar und
möglichst anschaulich beantwortet werden können:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;
&lt;li&gt;Welche Information gehen in den Algorithmus ein?&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;Wie wird diese Information von den eingesetzten Algorithmen
  verarbeitet?&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;Wie sehen die durch die künstliche Intelligenz identifizierten
  Regeln aus, auf deren Basis die KI eine Entscheidung trifft?&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;Und ganz wichtig: Finden sich bereits aus der Praxis bekannte
  sachlogische Muster in diesen Regeln wieder?&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;Ganz zentral kommen bei der Beantwortung dieser Fragen Erkenntnisse und
Methoden aus dem Bereich Explainable AI (XAI) zum Einsatz. Der
vorliegende Artikel diskutiert, weshalb XAI unverzichtbar ist und welche
Aspekte es umfasst. Er illustriert die Abhängigkeit zwischen
Algorithmenwahl und Interpretierbarkeit und gibt eine Anleitung, wie
sich hier ein optimaler Mix entsprechend der bestehenden digitalen Reife
eines Unternehmens finden lässt.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Warum XAI?&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Parallel zur zunehmenden Menge an erfassten Daten, die zur Steuerung von
Prozessen und Geschäftsabläufen zur Verfügung stehen, kommen auch immer
komplexere Algorithmen zum Einsatz. Bei vielen dieser Algorithmen
handelt es sich um sogenannte Black-Box-Modelle, bei denen lediglich die
in den Algorithmus einfließenden Daten und das darauf basierende
Ergebnis (z.B. eine Produktempfehlung für eine individuelle Kundin oder
eine Prognose über ihre Bereitschaft erneut ein Produkt zu erwerben)
bekannt sind. Warum, also auf Basis welcher in den verwendeten Daten
enthaltenen Information die entsprechende Empfehlung erfolgt, ist
allerdings oft nicht nachvollziehbar und lässt alle am Prozess
Beteiligten und Verantwortlichen verunsichert zurück. Da niemand
digitale Prozesse verantworten und umsetzen möchte, deren Wirkungsweise
nicht nachvollziehbar ist, stellt diese Intransparenz eine ernst zu
nehmende Hürde auf dem Weg der digitalen Transformation dar.&lt;/p&gt;
&lt;figure&gt;&lt;img alt="XAI-Konzept zwischen Black-Box-Modell und nachvollziehbarer Empfehlung" src="/images/blog/explainable-ai/modell-xai-process.png"&gt;&lt;figcaption&gt;&lt;strong&gt;Abbildung 1. Das XAI Konzept.&lt;/strong&gt; Explainable AI (XAI) übersetzt
traditionelle Black-Box-Modelle so, dass zusätzlich zur algorithmisch
gefundenen Empfehlung diese auch transparent und nachvollziehbar wird. Damit
wird der Anwender in die Lage versetzt, die Einflussgrößen und deren
Wirkungsweise im verwendeten Algorithmus zu verstehen, was für die Akzeptanz
und das Vertrauen in digitale Prozesse unabdingbar ist (Gunning &amp;amp; Aha, 2019).&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;p&gt;Mit der Lösung dieses Problems beschäftigt sich das Forschungsgebiet der
Explainable AI (XAI), also der erklär- und interpretierbaren künstlichen
Intelligenz. Zielsetzung hierbei ist, ein Interface zwischen Algorithmus und
Nutzenden zu entwickeln, die das Nachvollziehen eines algorithmischen
Vorschlags nicht nur ermöglicht, sondern darüber hinaus auch die Möglichkeit
schafft, fehlerhafte Entscheidungen und Logiken zu erkennen und entsprechend
zu korrigieren. Beispiele hierfür finden sich zuhauf, wie etwa die
vermeintlich erfolgreiche Identifikation von Pferden auf Fotos, die in
Wahrheit aber ausschließlich auf die in den Fotos enthaltene
Quelleninformation zurückging (Lapuschkin et al., 2019).&lt;/p&gt;
&lt;figure&gt;&lt;img alt="Beispiel für Fehlklassifikation durch Quelleninformation im Bild" src="/images/blog/explainable-ai/horse-vs-car.png"&gt;&lt;figcaption&gt;&lt;strong&gt;Abbildung 2. Identifikation und Relevanz von Einflussgrößen.&lt;/strong&gt; Der für die
Klassifikation von Fotos trainierte AI Algorithmus hat gelernt, dass die im
Foto enthaltene Quelleninformation (im gelben Kasten) ein klares Indiz für
das Vorliegen eines Pferdefotos ist. Das Pferd selbst wird vom Algorithmus
als kaum relevante Information angesehen. Die Konsequenz ist, dass das selbe
Motiv nach Entfernen der Quellenangabe nicht mehr als Pferdefoto erkannt
wird. Umgekehrt führt das Hinzufügen der Quelleninformation in einem anderem
BIld dazu, dass dieses unabhängig vom tatsächlichen Motiv als Pferdebild
klassifiziert wird (Lapuschkin et al., 2019).&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;h2&gt;Was zeichnet ein gutes XAI Interface aus?&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Diese Frage soll anhand eines Beispiels aus der INWT Praxis illustriert
und beantwortet werden. Für einen Klienten aus dem Online-Bereich haben
wir einen Algorithmus entwickelt und kalibriert, der für die
Bestandskunden des Unternehmens prognostiziert, ob und wann diese erneut
einen Kauf tätigen werden. Damit dieser Algorithmus keine Black-Box
darstellt, muss er auf drei Ebenen interpretierbar sein und folgende
Fragenkomplexe beantworten:&lt;/p&gt;
&lt;h3&gt;1. Relevanz der Einflussgrößen&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Welche in den Algorithmus einfließenden Informationen sind wichtig? In
welchem Maße beeinflussen z.B. Geschlecht, Alter oder die Zeit seit dem
letzten getätigten Kauf die Kaufwahrscheinlichkeit?&lt;/p&gt;
&lt;figure&gt;&lt;img alt="XAI-Beispiel zur Relevanz von Einflussgrößen im gesamten Modell" src="/images/blog/explainable-ai/xai-1-entire-model.png"&gt;&lt;figcaption&gt;&lt;strong&gt;Abbildung 3. Beispiel für Relevanz der Einflussgrößen.&lt;/strong&gt; Maßgeblich für
die Kaufentscheidung sind die Preise der Wettbewerber, die
Nutzungsintensität des Produkts und die Region, in der der potenzielle Kunde
wohnt. Zu beachten ist, dass die ermittelte Relevanz einer Einflussgröße
noch keine Aussage über deren Wirkungsrichtung erlaubt, also ob z.B. die
Kaufwahrscheinlichkeit mit höherer Nutzungsintensität steigt oder fällt.&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;h3&gt;2. Wirkungsrichtung&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Wie sehen Einfluss und Wirkungsweise der als relevant identifizierten
Daten genau aus? Haben Frauen oder Männer die höhere Kaufbereitschaft?
Nimmt diese mit zunehmendem Lebensalter ab oder zu? Nach welcher
Zeitspanne im Anschluss an einen bereits getätigten Kauf steigt die
Kaufbereitschaft wieder, gibt es ein Optimum?&lt;/p&gt;
&lt;figure&gt;&lt;img alt="XAI-Beispiel zur Wirkungsrichtung eines einzelnen Merkmals" src="/images/blog/explainable-ai/xai-2-single-feature.png"&gt;&lt;figcaption&gt;&lt;strong&gt;Abbildung 4. Beispiel für Wirkungsrichtung.&lt;/strong&gt; Betrachtet man den Einfluss
des Alters eines Kunden beziehungsweise einer Kundin, so erkennt man, dass
die Kaufwahrscheinlichkeit bei sehr jungen und sehr alten Konsumierenden
deutlich erhöht ist. Konsumierende im Altersbereich 30 bis 60 Jahre fühlen
sich durch das Produkt deutlich weniger zum Kauf veranlasst.&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;h3&gt;3. Nachvollziehbarkeit&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Aufgrund welcher Datenpunkte wurde für einen konkreten Fall die konkrete
Empfehlung ausgesprochen? Inwieweit haben das Lebensalter von 45 Jahren,
die Tatsache, dass es sich um einen männlichen Kunden handelt, und die
42 Tage seit dem letzten Kauf die prognostizierte Kaufwahrscheinlichkeit
beeinflusst?&lt;/p&gt;
&lt;figure&gt;&lt;img alt="XAI-Beispiel zur Nachvollziehbarkeit einer individuellen Prognose" src="/images/blog/explainable-ai/xai-3-individual-customer.png"&gt;&lt;figcaption&gt;&lt;strong&gt;Abbildung 5. Beispiel für Nachvollziehbarkeit.&lt;/strong&gt; Möchte man für einen
konkreten Konsumierenden nachvollziehen, wie die AI Prognose zustande kommt,
müssen die Erkenntnisse aus (1) und (2) für die entsprechende Person
ermittelt und bilanziert werden. Man sieht im Beispiel, dass sich die
prognostizierte Wahrscheinlichkeit von 14% als Nettoeffekt aller
berücksichtigten Effekte ergibt. Beim konkret betrachteten Kunden sind der
Preis, die Region und ein möglicher Bonus die stärksten Treiber für einen
Kauf, wohingegen Alter und bestehende Vertragsdauer die
Kaufwahrscheinlichkeit verringern.&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;p&gt;Die beiden ersten Punkten gehören zu den globalen makroskopischen
Eigenschaften eines Algorithmus, wohingegen in Punkt 3 die lokale
mikroskopische Funktionsweise verstanden sein möchte. Es ist
offensichtlich, dass diese drei Perspektiven unverzichtbar sind: nur in
Kombination versetzen sie den Anwender in die Lage, die identifizierte
Funktionsweise des Algorithmus sachlogisch zu hinterfragen und die
Ergebnisse zu plausibilisieren. Dadurch ist es zum einen möglich,
Zusammenhänge, die lediglich korreliert nicht aber kausal sind - man
denke an das obige Beispiel zur Quelleninformation in Fotos,
herauszuarbeiten und aus dem Modell zu entfernen. Zum anderen wird
verhindert, dass evtl. in den Daten noch enthaltene, diskriminierende
Einflussfaktoren unbemerkt vom Algorithmus verwendet werden.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Benötigt man immer XAI? Wie sieht die konkrete Ausgestaltung aus?&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Die konkrete Ausgestaltung des XAI Interfaces hängt auch vom konkret
verwendeten Algorithmus ab. Bestimmte Klassen von Algorithmen, wie z.B.
einfache Entscheidungsbäume und Regressionsmodelle, bieten per se die
Möglichkeit, die oben diskutierten Fragen direkt zu beantworten.
Modellklassen wie Deep Learning und neuronale Netze oder Ensembles, die
aus hunderten bis tausenden Einzelmodellen bestehen, bieten diese
Möglichkeit nicht, sind aber oftmals in Bezug auf die Prognosegüte den
einfacheren Modellen überlegen. Den generellen Trade-Off zwischen
direkter Interpretierbarkeit und Prognosegüte veranschaulicht die
folgende Abbildung:&lt;/p&gt;
&lt;figure&gt;&lt;img alt="Trade-off zwischen Interpretierbarkeit und Prognosegüte" src="/images/blog/explainable-ai/mode-interpretability-accuracy.jpg"&gt;&lt;figcaption&gt;&lt;strong&gt;Abbildung 6. Trade-Off zwischen Interpretierbarkeit und Prognosegüte.&lt;/strong&gt;
Deep Learning Modelle und Ensembles sind aktuell unter dem Aspekt der
Prognosegüte führend, aber schwer interpretierbar, wohingegen einfachere
Modelle bessere Interpretierbarkeit bieten, aber bei deren Verwendung
Abstriche bzgl. der Prognosegüte in Kauf genommen werden müssen. Mittels
zusätzlicher XAI Interfaces gewinnen Modellklassen im oberen linken Bereich
an Interpretierbarkeit (Barredo Arrieta et al., 2020).&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;p&gt;Vor allem Modellklassen, die im oberen linken Teil der Abbildung
verortet sind, benötigen ein zusätzliches XAI Interface, da hier eine
unmittelbare Interpretierbarkeit nicht gegeben ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um zu ermitteln, welche XAI Lösung für eine konkrete Fragestellung
optimal ist, bietet es sich an, mehrere Realisierungsoptionen
miteinander zu vergleichen:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;
  &lt;li&gt;Einfache und direkt interpretierbare Algorithmen&lt;/li&gt;
  &lt;li&gt;Komplexe, nicht direkt interpretierbare Algorithmen + XAI Interface&lt;/li&gt;
  &lt;li&gt;
    Interpretierbare Approximation komplexer Algorithmen: Sollte das optimale AI
    Modell aufgrund seiner Komplexität zu Vorbehalten führen, kann dieses in
    einem weiteren Schritt wieder stufenweise vereinfacht und dabei auf
    einfachere Regeln reduziert werden.
  &lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;

&lt;figure&gt;&lt;img alt="Positionierung" src="/images/blog/explainable-ai/positionierung.png"&gt;&lt;figcaption&gt;&lt;strong&gt;Abbildung 7. Optimale Positionierung im Spannungsfeld Interpretierbarkeit
und Prognosegüte.&lt;/strong&gt; Um zu ermitteln, welcher AI Algorithmus unter den
Aspekten Interpretierbarkeit und Prognosegüte am besten für den konkreten
Einsatz geeignet ist, bietet es sich an, mehrere Algorithmen zu trainieren
und miteinander zu vergleichen. In diesem Rahmen können direkt
interpretierbare Algorithmen und Black-Box-Algorithmen mit XAI Interface
getestet werden. Im Falle zu hoher Komplexität bietet sich eine Reduktion
der Komplexität durch weitere Vereinfachungen mit Hilfe einer Approximation
an. Die verschiedenen Lösungen können abschließend miteinander verglichen
und beurteilt werden, um zu entscheiden, welche Lösung den Anforderungen an
Transparenz und Güte am besten genügt.&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;p&gt;Durch den Abgleich der verschiedenen Realisierungsoptionen können
Gemeinsamkeiten identifiziert und es kann der konkrete Trade-Off
zwischen Interpretierbarkeit und Modellgüte ermittelt werden, was die
Basis für die Festlegung auf die optimale datengetriebe Lösung
darstellt.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Fazit&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Um algorithmenbasierte Entscheidungen im Rahmen der digitalen
Transformation zur Prozessoptimierung erfolgreich zu verwenden, ist ein
grundlegendes Verständnis der zugrunde liegenden AI Algorithmen
notwendig. Mittels XAI kann deren Funktionsweise auf allen relevanten
Ebenen transparent und verständlich gemacht werden. Unterschiedlichen
Anforderungen und Bedürfnissen im Spannungsfeld &lt;em&gt;accuracy vs
interpretability&lt;/em&gt; kann maßgeschneidert begegnet werden. Mittels eines
klar strukturierten und anpassbaren Prozesses ist es möglich, die
Voraussetzungen für die erfolgreiche und akzeptierte Anwendung von
Algorithmen zu schaffen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Über den Autoren&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href="https://www.impactdistillery.com/steffen-wagner/"&gt;Dr. Steffen
Wagner&lt;/a&gt; ist
Mitgründer und Senior Data Scientist bei INWT Statistics. Er beschäftigt
sich schwerpunktmäßig mit den Themen Predictive Analytics, Online
Marketing und Customer Relationship Management.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Literatur&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Barredo Arrieta, A., Díaz-Rodríguez, N., Del Ser, J., Bennetot, A.,
Tabik, S., Barbado, A., Garcia, S., Gil-Lopez, S., Molina, D., Benjamins,
R., Chatila, R., &amp;amp; Herrera, F. (2020). Explainable artificial intelligence
(XAI): Concepts, taxonomies, opportunities and challenges toward
responsible AI. &lt;em&gt;Information Fusion, 58&lt;/em&gt;, 82--115.
&lt;a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1566253519308103"&gt;https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1566253519308103&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Doran, D., Schulz, S., &amp;amp; Besold, T. R. (2017). What does explainable AI
really mean? &lt;em&gt;A new conceptualization of perspectives&lt;/em&gt;.
&lt;a href="https://arxiv.org/abs/1710.00794"&gt;https://arxiv.org/abs/1710.00794&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Guidotti, R., Monreale, A., Ruggieri, S., Turini, F., Giannotti, F., &amp;amp;
Pedreschi, D. (2018). A survey of methods for explaining black box
models. &lt;em&gt;ACM Computing Surveys, 51&lt;/em&gt;(5).
&lt;a href="https://dl.acm.org/doi/abs/10.1145/3236009"&gt;https://dl.acm.org/doi/abs/10.1145/3236009&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gunning, D., &amp;amp; Aha, D. W. (2019). DARPA's explainable artificial
intelligence (XAI) program. &lt;em&gt;AI Magazine, 40&lt;/em&gt;(2).
&lt;a href="https://doi.org/10.1609/aimag.v40i2.2850"&gt;https://doi.org/10.1609/aimag.v40i2.2850&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Lapuschkin, S., Wäldchen, S., Binder, A., Montavon, G., Samek, W., &amp;amp;
Müller, K.-R. (2019). Unmasking clever hans predictors and assessing what
machines really learn. &lt;em&gt;Nature Communications, 10&lt;/em&gt;(1).
&lt;a href="https://www.nature.com/articles/s41467-019-08987-4"&gt;https://www.nature.com/articles/s41467-019-08987-4&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;</content><category term="blog"/></entry><entry><title>Bianca Frost, was bedeutet datengetriebene Organisationskultur für dich?</title><link href="https://preview.idist.io/blog/bianca-frost-organisationskultur/" rel="alternate"/><published>2020-11-16T00:00:00+01:00</published><updated>2020-11-16T00:00:00+01:00</updated><author><name>Carolin Stolpe, Bianca Frost</name></author><id>tag:preview.idist.io,2020-11-16:/blog/bianca-frost-organisationskultur/</id><summary type="html">&lt;p&gt;In keiner anderen Branche stehen so viele Daten über das Verhalten von Kund/innen zur Verfügung wie im E-Commerce. Eines der aufstrebenden Unternehmen im E-Commerce ist der Beauty-Onlineshop flaconi. Ein Interview darüber, wie datengetriebene Organisationskultur in der Praxis aussehen kann.&lt;/p&gt;</summary><content type="html">&lt;p&gt;&lt;a href="https://www.linkedin.com/in/bianca-frost-0764b6133/"&gt;&lt;strong&gt;Bianca Frost&lt;/strong&gt;&lt;/a&gt;
ist Teamlead im Bereich Data Analytics. Im Interview berichtet sie
davon, wie &lt;em&gt;data-driven culture&lt;/em&gt; bei &lt;a href="https://www.flaconi.de/"&gt;flaconi&lt;/a&gt;
gelebt wird. Das Interview führt &lt;a href="/experts/carolin-stolpe/"&gt;Carolin Stolpe&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;In keiner anderen Branche stehen so viele Daten über das Verhalten von
Kund/innen zur Verfügung wie im E-Commerce. Eines der aufstrebenden
Unternehmen im E-Commerce ist der Beauty-Onlineshop
&lt;a href="https://www.linkedin.com/company/flaconi-gmbh/"&gt;flaconi&lt;/a&gt;. Ein Interview
darüber, wie datengetriebene Organisationskultur in der Praxis aussehen
kann.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Bianca, was bedeutet datengetriebene Organisationskultur für dich?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Tatsächlich ist das gar nicht so einfach zu bezeichnen. Man findet ja
sehr unterschiedliche Definitionen und häufig wird &lt;em&gt;data-driven&lt;/em&gt; ja auch
als Buzzword verwendet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich würde sagen ein Unternehmen ist &lt;em&gt;data-driven,&lt;/em&gt; wenn eine gewisse
Datenabdeckung stattfindet, also alle Bereiche eines Unternehmens anhand
von Daten gemessen und geplant werden können. Dazu gehört auch, dass
Entscheidungen, wann immer möglich, basierend auf Daten getroffen werden
und nicht nur durch ein Bauchgefühl.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu einem datengetrieben Unternehmen gehört auch, dass Daten immer den
ersten &lt;em&gt;Go-to-Punkt&lt;/em&gt; bilden. Bei &lt;em&gt;flaconi&lt;/em&gt; haben wir z. B. den sehr
aktiv gelebten Unternehmenswert &lt;em&gt;#livingdata.&lt;/em&gt; Das heißt, wenn
Diskussionen entstehen argumentieren wir mit konkreten Daten bzw. Zahlen
und vermeiden unfundierte Annahmen und Behauptungen. Das verstehen wir
unter &lt;em&gt;data-driven culture.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Ist eine datengetriebene Organisationskultur für alle Unternehmen sinnvoll?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Ich glaube, dass es grundsätzlich für jedes Unternehmen erstrebenswert
ist, datenbasierte Entscheidungen zu treffen. Allerdings ist es von
Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich, wie stark &lt;em&gt;data-driven&lt;/em&gt; es
grundsätzlich überhaupt agieren kann. Bei uns heißt &lt;em&gt;data-driven&lt;/em&gt; ja
wirklich, dass basierend darauf, wie sich der Kunde beziehungsweise die
Kundin auf der Website verhält, Entscheidungen getroffen und
Optimierungen vorgenommen werden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber nicht jedem Unternehmen liegen solche Datenstrukturen vor. Deshalb
glaube ich, hängt es auch von der Datenverfügbarkeit des Unternehmens
ab.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Am Ende möchte jedes Unternehmen seinen Gewinn und Umsatz optimieren und
seine Position am Markt halten bzw. stärken. Und das kann aus meiner
Sicht nur dann funktionieren, wenn man wirklich quantitativ messbare
Ziele hat und durch Analysen besser versteht, warum bestimmte Ereignisse
eintreten und warum Wachstum stattfindet oder nicht. Von daher sollte
prinzipiell jedes Unternehmen daran Interesse haben, datenbasiert zu
arbeiten.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Viele Organisationen stehen vor der Herausforderung, ihre Organisationskultur in der digitalen Transformation neu zu definieren. Lässt sich Unternehmenskultur überhaupt aktiv gestalten?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Ja, das kann man definitiv aktiv gestalten.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Was würdest du Organisationen raten, die noch ganz am Anfang stehen, eine datengetriebene Organisationskultur aufzubauen?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Es gibt vier Bereiche, die sich ein Unternehmen dafür anschauen muss:
Datenbasis, Datenzugang, Umgang mit Daten und der Einsatz von Daten in
der täglichen Arbeit. Wer &lt;em&gt;data-driven&lt;/em&gt; werden möchte, sollte in diesen
vier Bereichen mit einer Evaluation starten, um den Ist-Zustand zu
erfassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Für die Datenbasis bedeutet das: Welche Daten habe ich und wie sind
diese aufbereitet? Dann gibt es den Punkt des Datenzugangs: Also wer hat
Zugang? Und weiß jeder, wo er Zugang findet? Der dritte Punkt ist der
Umgang mit den Daten: Weiß jeder, wie er bestimmte Zahlen zu
interpretieren hat? Wie er sich eine Wachstumsrate berechnen kann? Wie
er mit einem bestimmten Tool arbeiten kann? Und der letzte Punkt ist der
Einsatz der Daten in der täglichen Arbeit. Hier geht es darum das aus
Daten gesammelte Wissen vorteilhaft einzusetzen, um bessere
Entscheidungen zu treffen oder effizientere Prozesse zu gestalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Neben der Evaluierung des aktuellen Zustands braucht man dabei auch ein
Zielbild. Wie soll &lt;em&gt;data-driven&lt;/em&gt; bei uns umgesetzt werden? In welcher
Form der Datengetriebenheit sollen die verschiedenen
Unternehmensbereiche arbeiten und wie greift das am Ende wieder
zusammen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Durch Abgleichen des Ist-Zustands mit dem Zielzustand zeigt sich dann:
Wo sind die Herausforderungen aktuell am größten? Diese können dann
priorisiert und dementsprechend in der gegebenen Reihenfolge aktiv
angegangen werden.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Für viele Mitarbeitende ohne Datenhintergrund sind Daten etwas sehr Abstraktes. Was würdest du Mitarbeitenden sagen, die skeptisch gegenüber Daten sind?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Ich glaube, dass es weniger darum geht, die Leute zu belehren. Ich würde
versuchen durch Ergebnisse zu zeigen, welchen Nutzen Daten haben können
und ein konkretes Beispiel durchrechnen, um skeptische Kollegen zu
überzeugen.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Würdest du sagen, die Organisationskultur spielt eine Rolle in der Akzeptanz gegenüber neuen Daten[technologien]?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Ich würde schon sagen, dass unsere Unternehmenskultur den
Akzeptanzprozess erheblich vereinfacht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bei uns ist die Unternehmenskultur so gestaltet, dass wir Neuem
grundsätzlich erstmal offen und positiv gegenüberstehen und alle Themen
sehr transparent halten. Ein Punkt, der uns dabei auszeichnet, ist das
unsere Unternehmenswerte sehr aktiv gelebt werden und tatsächlich auch
in täglichen Diskussionen als Argumentation verwendet werden.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Welche Unternehmenswerte sind das?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Neben &lt;em&gt;#livingdata,&lt;/em&gt; haben wir z.B. einen Unternehmenswert, der
&lt;em&gt;#build4scale&lt;/em&gt; heißt, also skalierbare Lösungen zu finden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und dann heißt es in Diskussionen auch wirklich: „Ja, wir wissen, dass
es aktuell nicht optimal ist und das neue Tool auch mit zusätzlichem
Aufwand für euch verbunden ist. Aber ihr wisst ja: &lt;em&gt;#build4scale.&lt;/em&gt; Wir
wollen bereit sein für das Wachstum und deshalb macht es an dieser
Stelle Sinn, mit dem neuen Tool zu arbeiten."&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich glaube, diese positive Unternehmenskultur kommt auch daher, dass das
obere Management sehr viel Vertrauen in uns Mitarbeiter hat.
&lt;em&gt;#trustinpeople&lt;/em&gt; ist ein weiterer Unternehmenswert, der bei uns sehr
stark gelebt wird. Dadurch entsteht eine sehr produktive
Arbeitsatmosphäre, die wenig anschuldigend ist, wie man es teilweise in
anderen Unternehmen erlebt.&lt;/p&gt;
&lt;figure&gt;&lt;img alt="Unternehmenswerte einer datengetriebenen Organisationskultur bei flaconi" src="/images/blog/bianca-frost-organisationskultur/flaconi-values.png"&gt;&lt;figcaption&gt;&lt;strong&gt;Abbildung 1.&lt;/strong&gt; Unternehmenswerte einer datengetriebenen
Organisationskultur am Beispiel von &lt;em&gt;flaconi.&lt;/em&gt;&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;p&gt;In unserem Artikel zum &lt;a href="https://www.impactdistillery.com/digitale-transformation/datengetriebene-organisationskultur/"&gt;Aufbau datengetriebener
Organisationskulturen&lt;/a&gt;
haben wir das Seerosenmodell zur systematischen Beschreibung von
Unternehmenskulturen vorgestellt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als datengetriebene Organisation wird bei &lt;em&gt;flaconi&lt;/em&gt; auf der Ebene der
&lt;em&gt;Normen und Werte&lt;/em&gt; (Seerosenmodell) eine starke Ausrichtung von
Prozessen und Produkten nach Daten und eine Anpassung an das Verhalten
von Kundinnen und Kunden deutlich sichtbar. Das Risiko für Innovationen
wird mit Hilfe von Daten bewertet und Mitarbeitende durch Vertrauen zu
innovativen, skalierbaren Lösungsansätze motiviert (Flaconi, o. D.).&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Was glaubst du, welche Bedeutung hat ein gewisser Reifegrad an Data Literacy für den Erfolg einer datengetriebene Organisation?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;In einem Unternehmen gibt es natürlich immer unterschiedliche Reifegrade
an Data Literacy, die abhängig sind von den Teams und in welcher
Funktion jemand arbeitet. Ich glaube für das Unternehmen insgesamt kann
es aber nur von Vorteil sein, wenn jeder zu einem gewissen Grad mit
Daten umgehen kann. Auch dahingehend, dass dadurch wahrscheinlich eine
gewisse Offenheit für das ganze Thema &lt;em&gt;data-driven&lt;/em&gt; entsteht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn man sich die Erfolgsraten von Data Science-Projekten anschaut,
sieht man, dass viele Projekte auch einfach scheitern. Und ich glaube,
das liegt nicht unbedingt an der Technik oder an den mathematischen
Modellen, sondern häufig auch einfach daran, dass der Teil der
Mitarbeiter, der keine Data Science-Erfahrung hat, einfach noch nicht so
weit ist, diese Dinge richtig zu verstehen und damit zu arbeiten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Data Literacy:&lt;/em&gt; Um sich in einer digitalen Gesellschaft
zurechtzufinden, wird die Fähigkeit „[...] Daten zu verstehen und
effektiv zu nutzen, um Entscheidungen zu fundieren" (Ridsdale et al., 2015) immer
wichtiger. Wir beschäftigen uns mit Data Literacy in Teil 4 unseres
Dossiers.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Data Literacy wird ja oft auch als Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts bezeichnet (Schüller et al., 2019). Würdest du dem zustimmen?&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Als Data Analyst bin ich der Auffassung, dass Datenkompetenzen sehr
wichtig sind. Denn nur durch Daten kann ich mich der Wahrheit nähern.
Trotz aller Datenliebe möchte ich aber auch darauf hinweisen, dass man
auch immer berücksichtigen muss, wo die Grenzen von Daten liegen und was
man vielleicht nicht mit Daten erklären kann. Es ist wichtig die
Vorteile, aber auch die Fallstricke zu kennen: Wie darf ich die Daten
jetzt genau nicht interpretieren, weil ich sonst auf die falsche
Schlussfolgerung komme?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aus meiner Sicht ist Data Literacy eine Kompetenz, die jeder Mensch
haben sollte. Denn Datenkompetenzen sind nicht nur im
Unternehmenskontext wichtig, sondern auch um zu verstehen: Wo können
Daten mir persönlich Vorteile bringen, z.B. wenn es darum geht
politische Entwicklungen besser einschätzen und beurteilen zu können.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Insgesamt geht es auch einfach darum, Ängste und Vorurteile von
Datenkultur abzubauen, wie z.B. dass Machine Learning dazu führt, dass
Arbeitsplätze abgebaut werden. Vielmehr muss Aufklärungsarbeit geleistet
werden, dass Datentechnologien die Arbeitswelt in vielerlei, sehr
positiver Hinsicht verändern. Es werden vielleicht Aufgaben in einigen
Arbeitsreichen wegfallen, dafür aber mehr in anderen Bereichen mit
stärkerem Datenfokus entstehen. Und diese stärker datengetriebenen
Bereiche benötigen neue Mitarbeitern mit ausgeprägten Datenkompetenzen.&lt;/p&gt;
&lt;h4&gt;Danke für das Interview, Bianca&lt;/h4&gt;
&lt;p&gt;Das Interview führte &lt;a href="https://www.impactdistillery.com/carolin-stolpe/"&gt;Carolin
Stolpe&lt;/a&gt;, sie
erforscht, welchen Herausforderungen sich Organisationen auf dem Weg zur
&lt;em&gt;data-driven culture&lt;/em&gt; stellen müssen.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Literatur&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Flaconi. (o. D.). &lt;em&gt;Values&lt;/em&gt;.
&lt;a href="https://www.flaconi.de/karriere/#values"&gt;www.flaconi.de/karriere/#values&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ridsdale, C., Rothwell, J., Smit, M., Ali-Hassan, H., Bliemel, M.,
Irvine, D., Kelley, D., Matwin, S., &amp;amp; Wuetherick, B. (2015). &lt;em&gt;Strategies
and best practices for data literacy education: Knowledge synthesis report&lt;/em&gt;.
Dalhousie University.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schüller, K., Busch, P., &amp;amp; Hindinger, C. (2019). &lt;em&gt;Future skills: Ein
Framework für Data Literacy&lt;/em&gt; (Arbeitspapier 47/2019). Hochschulforum
Digitalisierung.&lt;/p&gt;</content><category term="blog"/></entry><entry><title>Fünf erste Schritte zu einer datengetriebenen Organisationskultur</title><link href="https://preview.idist.io/blog/datengetriebene-organisationskultur/" rel="alternate"/><published>2020-10-30T00:00:00+01:00</published><updated>2020-10-30T00:00:00+01:00</updated><author><name>Carolin Stolpe, Prof. Dr. Marcel Hebing</name></author><id>tag:preview.idist.io,2020-10-30:/blog/datengetriebene-organisationskultur/</id><summary type="html">&lt;p&gt;Technologien schaffen nur einen Mehrwert, wenn sie Teil der Organisationskultur werden. Das gilt insbesondere für den Einsatz von Data-Science-Technologien. In Teil 2 unseres Dossiers geben wir 5 Empfehlungen für den Start in eine datengetriebene Organisationskultur.&lt;/p&gt;</summary><content type="html">&lt;p&gt;TEIL 2 DES DOSSIERS ZUR DIGITALEN TRANSFORMATION&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;em&gt;Technologien schaffen nur einen Mehrwert, wenn sie Teil der
Organisationskultur werden. Das gilt insbesondere für den Einsatz von
Data-Science-Technologien. In Teil 2 unseres
&lt;a href="https://www.impactdistillery.com/digitale-transformation/"&gt;Dossiers&lt;/a&gt;
geben wir 5 Empfehlungen für den Start in eine datengetriebene
Organisationskultur.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die digitale Transformation ist nicht nur ein technologischer, sondern
auch ein kultureller Wandel. Technologien stehen &lt;em&gt;en masse&lt;/em&gt; zur
Verfügung. Doch wie gestalten wir eine entsprechende
Organisationskultur? In diesem Beitrag haben wir 5 Handlungsempfehlungen
für all diejenigen erarbeitet, die noch am Anfang stehen und sich
fragen, wie sie sich mit Ihrem Unternehmen auf den Weg dieses
kulturellen Wandels begeben können.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir stellen das Modell der datengetriebenen Organisationskultur als eine
Reaktion auf veränderte Rahmenbedingungen der digitalen Transformation
vor. Einen besonderen Stellenwert hat für uns dabei die Frage, wie
datengetriebene Entscheidungen zu einem Standard werden können.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Datengetriebene Organisationskultur&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;In einer datengetriebenen Organisationskultur ist man der Überzeugung,
»[...] dass der Besitz, das Verständnis und die Nutzung bestimmter
Arten von Daten eine entscheidende Rolle für den Erfolg ihres
Unternehmens spielt« (Kiron &amp;amp; Shockley, 2011).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dabei geht es zunächst einmal darum, bestehende Entscheidungsprozesse zu
verbessern, indem die Informationsgrundlage für Entscheidungen
datenbasiert erweitert wird. In einer datengetriebenen
Organisationskultur ist es eine Selbstverständlichkeit, dass Daten
direkt in Entscheidungsprozesse eingebunden werden und diese damit
effizienter, objektiver und transparenter werden. Dabei kann es sowohl
um große, strategische Entscheidungen gehen als auch um die vielen
kleinen, operativen Entscheidungen des beruflichen Alltags.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Abteilungs- und positionsübergreifend erhalten Mitarbeitende dafür
Zugang zu Daten. Und damit sie sinnvoll mit Daten arbeiten können,
besitzen nicht nur Data Scientists, sondern auch die Mehrheit der
Mitarbeitenden grundlegende Datenkompetenzen (Stichwort »Data
Literacy«). Durch die Transparenz der Daten lassen sich Ziele der
Organisation für den einzelnen Mitarbeitenden nachvollziehen und auch
der eigene Beitrag zum Erreichen der Ziele messen (Anderson, 2015).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Bevor ein Kulturwandel in Richtung datengetriebene Organisationskultur
angestoßen werden kann, braucht es zunächst eine Evaluierung der aktuell
gelebten Unternehmenskultur. Um diese besser beschreiben zu können, kann
auf das Drei-Ebenen-Modell nach Schein zurückgegriffen werden (Schein, 2017).&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Organisationskultur als Seerosenteich&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Das Drei-Ebenen-Modell nach Schein (2017) in Abbildung 1 dient uns als
theoretisches Framework für die Analyse von Organisationskulturen. Wie
können wir dieses Modell nutzen, um beispielsweise bei dem Betreiber
eines (fiktiven) Webshops eine datengetriebene Organisationskultur zu
entwickeln?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Data Literacy beschreibt die Fähigkeit »[...] Daten zu verstehen und
effektiv zu nutzen, um Entscheidungen zu fundieren« (Ridsdale et al., 2015). Mehr dazu in
unserem Dossier Teil 4.&lt;/p&gt;
&lt;figure&gt;&lt;img alt="Seerosenteich-Modell der Organisationskultur" src="/images/blog/datengetriebene-organisationskultur/seerosenteich.png"&gt;&lt;figcaption&gt;&lt;strong&gt;Abbildung 1.&lt;/strong&gt; Modell der Organisationskultur&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;p&gt;In Analogie zu einem Seerosenteich beschreibt das Drei-Ebenen-Modell
Organisationskultur als 3 Ebenen, die sich nach ihrem Bewusstsein für
den Beobachtenden unterscheiden. Auf der obersten Ebene stehen bewusst
wahrnehmbare Artefakte, wie Sprache, Verhalten oder andere Objekte. Die
mittlere Ebene besteht aus kollektiven Zielen, Werten und Idealen, die
zum Teil bewusst, zum anderen Teil aber auch unbewusst wahrgenommen
werden. Die unterste Ebene besteht aus fest verankerten, grundlegenden
Annahmen, die nicht mehr hinterfragt werden. Dazu gehören Überzeugungen
und Werte, welche die Organisation in der Vergangenheit erfolgreich
gemacht haben. Je tiefer die Ebene, desto verwurzelter und schwieriger
zu ändern sind die Annahmen (Schein, 2017).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;–&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Unser fiktiver Webshop kann auf der Ebene der Artefakte ein Dashboard an der
Wand installieren, welches jederzeit die aktuellen Zugriffs- und
Verkaufszahlen der Website darstellt. Auf der Ebene der Werte vermittelt dies
jedem Mitarbeitenden, dass er oder sie jederzeit Einblicke in die
Entwicklungen des Unternehmens bekommt, was Werte wie transparente Führung und
Einbindung vermittelt. Und auf der Ebene der verborgenen Annahmen wird dabei
eine Kultur geschaffen, in der jeder Zugriff auf Zahlen hat und entsprechend
befähigt wird, datengetriebene Entscheidungen zu treffen -- der erste Schritt
zu einer &lt;em&gt;data-driven culture&lt;/em&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;–&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Technologien als Hygienefaktor&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;In Zuständen der Veränderung, wie die digitale Transformation einer ist,
müssen Unternehmen für sich überprüfen, ob die aktuell gelebte
Organisationskultur die Anforderungen an Digitalisierung unterstützt
oder ob sie diese behindert (Sackmann, 2017). In unserer Arbeit beobachten wir,
dass das Thema Organisationskultur für immer mehr Unternehmen relevant
wird. In unserer Arbeit nutzen wir dabei die Zwei-Faktoren-Theorie nach
Herzberg (1968) als theoretisches Framework.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Zwei-Faktoren-Theorie nach Herzberg beschreibt die Arbeitsmotivation
anhand von Hygienefaktoren und Motivatoren. &lt;em&gt;Hygienefaktoren&lt;/em&gt; erzeugen
Unzufriedenheit, wenn sie nicht erfüllt sind. Eine Übererfüllung bringt
aber keine zusätzliche Motivation. &lt;em&gt;Motivatoren&lt;/em&gt; hingegen können
zusätzliche Motivation schaffen, ihr Fehlen führt jedoch nicht
notwendigerweise zu Unzufriedenheit. Als Hygienefaktoren werden
beispielsweise Gehalt, Arbeitssicherheit oder der Einfluss auf das
Privatleben betrachtet, also Motivatoren hingegen Aspekte wie
Anerkennung, Aufstiegschancen oder Verantwortung (Herzberg, 1968).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Technologien und Daten bilden dabei Hygienefaktoren -- stimmt hier etwas
nicht, schafft das Unzufriedenheit. Gleichzeitig bilden sie die
Grundlage für eine datengetriebene Organisationskultur, welche an
verschiedenen Stellschrauben, wie beispielsweise die der Einbindung in
Entscheidungsprozesse oder der Sichtbarkeit von Erfolgen, Motivatoren
erzeugen oder fördern kann.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Fünf Empfehlungen für den Einstieg&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Ausgehend von unseren theoretischen Vorüberlegungen und unserem Modell
der digitalen Transformation (Abbildung 2) aus dem ersten Teil des
Dossiers, möchten wir fünf Handlungsempfehlungen formulieren, wie die
Organisationskultur Motivatoren schaffen und so zum Treiber der
digitalen Transformation werden kann.&lt;/p&gt;
&lt;figure&gt;&lt;img alt="Modell der digitalen Transformation" src="/images/blog/datengetriebene-organisationskultur/modell-digitale-transformation.png"&gt;&lt;figcaption&gt;&lt;strong&gt;Abbildung 2.&lt;/strong&gt; Modell der Digitalen Transformation&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;p&gt;Gesellschaftliche Veränderungen und technologische Innovationen stellen
den Rahmen der digitalen Transformation dar und erzeugen gleichzeitig
Druck auf Unternehmen, sich an den Wandel anzupassen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Neue Technologien sind der strategischen Ausrichtung und den
Anforderungen der Organisation entsprechend auszuwählen. Mitarbeitende
und Führung müssen die notwendigen Kompetenzen mitbringen oder erlernen,
um mit neuen Technologien umgehen und sie gewinnbringend einzusetzen zu
können. Die Organisation ihrerseits muss eine Kultur schaffen, welche
bei den Mitarbeitenden Akzeptanz für Veränderungen schafft.&lt;/p&gt;
&lt;h3&gt;1. Überblick verschaffen: Landkarte der Datenquellen und Stakeholder anlegen&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Unsere erste Empfehlung bezieht sich auf alle drei Teile des Modells der
digitalen Transformation. Jedem Unternehmen steht heute eine kaum
überschaubare Anzahl an internen und externen Datenquellen zur
Verfügung. Leider sind diese Quellen aber meist nicht direkt nutzbar,
die Zugriffsrechte sind häufig nicht geklärt, der technische Zugriff
erst nach erheblichem Aufwand möglich und die Inhalte der Daten aus
verschiedenen Quellen nicht verknüpft. In einer solchen Situation
spricht man davon, dass die Daten in isolierten Silos liegen (Weissmann &amp;amp; Wegerer, 2018). Ziel
wird es sein, relevante Datenquellen für schnelle Analysen zu
integrieren, was ein langer Weg sein kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Als ersten praktischen Schritt auf dem Weg zu einer datengetriebenen
Organisationskultur empfehlen wir, sich einen guten Überblick zu
verschaffen. In der &lt;em&gt;Impact Distillery&lt;/em&gt; haben wir dazu die &lt;em&gt;Data and
Stakeholder Map&lt;/em&gt; als Framework entwickelt, welche uns hilft die
entsprechenden Informationen strukturiert zu sammeln und übersichtlich
darzustellen. Basierend darauf können wir eine entsprechende
Datenstrategie entwickeln, welche wiederum zur Grundlage der
datengetriebenen Organisationskultur wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Methodisch wird eine solche &lt;em&gt;Map&lt;/em&gt; in Workshops und qualitativen
Interviews mit Stakeholdern erarbeitet. Dabei werden beispielsweise die
folgenden Fragen betrachtet, welche hier exemplarisch die Inhalte der
Map verdeutlichen sollen: Welche Daten gibt es? In welcher Form liegen
sie vor und wie funktioniert der technische Zugriff? Welche Stakeholder
haben Interesse an den Daten? Gibt es rechtliche (z.B. Datenschutz) oder
organisatorische (z.B. Geschäftsgeheimnisse) Einschränkungen bei der
Nutzung der Daten? Werden Tools oder Services zur Nutzung der Daten
angeboten? Welche Kompetenzen bringen die Mitarbeitenden in Bezug auf
die Nutzung von Daten mit?&lt;/p&gt;
&lt;h3&gt;2. Mit kleinen Projekten starten und iterativ steigern&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Der Aufbau einer datengetriebenen Organisationskultur ist ein Prozess.
Wie in unserem Modell dargestellt, braucht es an der Schnittstelle
zwischen Organisation und Technologie dafür eine Strategie. Statt mit
komplizierten Lösungen zu beginnen, startet ein erfolgreicher
betrieblicher Kulturwandel zunächst mit einfachen und kleinen
Datenprojekten. Erfolgreiche Organisationen bilden dazu kleine Gruppen
von &lt;em&gt;friendly usern&lt;/em&gt; oder auch &lt;em&gt;early adopters&lt;/em&gt; (Rogers, 2003), in denen sie mit
agilen Konzepten neue Technologien ausprobieren.&lt;/p&gt;
&lt;figure&gt;&lt;img alt="Prozessmodell der Impact Distillery für iterative Data-Science-Projekte" src="/images/blog/datengetriebene-organisationskultur/impact-distillery-prozessmodell.png"&gt;&lt;figcaption&gt;&lt;strong&gt;Abbildung 3.&lt;/strong&gt; Prozess-Modell der Impact Distillery&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;p&gt;Das Prozess-Modell der Impact Distillery ist für iterative Projekte
optimiert. Ausgehend von der Konzeption einer Iteration (Design) werden
Daten erhoben, aufbereitet und analysiert und die Ergebnisse werden für
spätere Iterationen dokumentiert. Abschließend werden die Ergebnisse in
konkrete Maßnahmen übersetzt (Impact) und die Konzeption der nächsten
Iteration kann beginnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Data-Science-Projekten werden dabei häufig drei Arten von Analysen
unterschieden (Provost &amp;amp; Fawcett, 2013; Seiter, 2019), welche sehr gut als Struktur für ein iteratives
Vorgehen dienen können. Dabei handelt es sich um beschreibende
(&lt;em&gt;descriptive&lt;/em&gt;), vorhersagende (&lt;em&gt;predictive&lt;/em&gt;) und vorschreibende
Analysen (&lt;em&gt;prescriptive analysis&lt;/em&gt;). Entsprechend bietet sich für den
Einstieg ein dreistufiges Vorgehen an:&lt;/p&gt;
&lt;ol&gt;
&lt;li&gt;Mithilfe der &lt;em&gt;Data and Stakeholder Map&lt;/em&gt; schaffen wir uns einen
   Überblick über die aktuelle Situation und führen erste deskriptive
   Analysen durch, um die Inhalte und vor allem auch die Qualität von
   Datenquellen besser beurteilen zu können.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;Anschließend werden gezielt Fragen aus aktuellen Geschäftsproblemen
   abgeleitet, welche wir mit erklärenden oder vorhersagenden Methoden
   zu beantworten versuchen.&lt;/li&gt;
&lt;li&gt;Bei wiederkehrenden Fragestellungen können die Analysen dann
   schrittweise automatisiert werden, was die Ableitung von
   Handlungsvorgaben beinhalten kann. Dabei kommen insbesondere auch
   Methoden aus dem Bereich des maschinellen Lernens zum Einsatz.&lt;/li&gt;
&lt;/ol&gt;
&lt;h3&gt;3. Individuellen Mehrwert für Mitarbeitende schaffen&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Im Idealfall werden Mitarbeitende neue Technologien und Möglichkeiten
nicht nur akzeptieren, sondern pro-aktiv in ihre eigenen Arbeitsprozesse
integrieren und deren Einsatzmöglichkeiten weiterdenken. Das wird aber
nur passieren, wenn sie einen persönlichen Mehrwert in der Nutzung
sehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hierbei entsteht ein Wechselspiel zwischen Mitarbeitenden und
Organisationskultur. Auf der einen Seite schafft die Organisationskultur
den Rahmen für die Nutzung neuer Technologien und andererseits bringen
motivierte Nutzer genau diese Kultur voran, wie es auch Everett Rogers
&lt;em&gt;Diffusion of Innovation&lt;/em&gt; beschreibt (Rogers, 2003).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ein konkreter Mehrwert für Mitarbeitende kann darin liegen, dass ihnen
Routineaufgaben abgenommen werden und dadurch neue Freiräume geschaffen
werden, in denen sie sich kreativ und verantwortungsvoll einbringen
können. Hier kann wieder die Zwei-Faktoren-Theorie nach Herzberg (1968)
wie folgt helfen: Welche der von Herzberg identifizierten Motivatoren
(wie beispielsweise Verantwortung) kann durch den Einsatz von Daten und
Technologien positiv beeinflusst werden?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es lohnt sich auch, spielerisch heranzugehen. Mitarbeitende werden sich
schneller auf einen stärkeren Einsatz von Datenanalysen und anderen
Technologien einlassen, wenn dies beispielsweise bedeutet, dass sie
schneller (positives) Feedback bekommen beziehungsweise Erfolge
schneller sichtbar werden. Verschiedene erfolgreiche Systeme haben hier
von Computerspielen gelernt (Stichwort »Gamification«).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;–&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit Martin Fischer arbeiten wir an einem Artikel dazu, wie die insbesondere
datenbasierten Feedbackmechanismen im Rahmen des digitalen Wandels genutzt
werden können, um sowohl Akzeptanz für neue Technologien (Hygienefaktoren) zu
schaffen als auch zu klären, wie sie darüber hinaus zum Motivator für eine
aktive Beteiligung am Prozess des Wandels werden können.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;–&lt;/p&gt;
&lt;h3&gt;4. Datenkompetenzen in konkreten Projekten fördern&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Eine datengetriebene Organisationskultur lebt davon, dass möglichst
viele Mitarbeitende mit Daten und Datentechnologien arbeiten können.
Damit sich das volle Potenzial von Datentechnologien entfalten kann,
brauchen Mitarbeitende Datenkompetenzen (in unserem Modell als
Schnittstelle zwischen Technologie und Individuum dargestellt).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um eine datengetriebene Organisationskultur zu schaffen, muss es einer
Organisation deshalb gelingen, einen bestimmten Reifegrad an Data
Literacy aufzubauen (Anderson, 2015). Mitarbeitende müssen befähigt werden,
geeignete Daten zur Problemlösung zu erkennen, sie zu verstehen, zu
interpretieren und sie für die Kommunikation mit anderen, wie
Teammitgliedern oder Kunden und Kundinnen, zu nutzen (Montoya, 2018).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Um den Reifegrad an Datenkompetenzen im Unternehmen zu erhöhen, sollten
Organisationen nicht auf kommende, datenaffinere Generationen warten,
sondern aktiv das gemeinsame Lernen in der Organisation fördern.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Datenkompetenzen sind für viele Mitarbeitende nicht Teil der Ausbildung.
Zusätzlich können Daten, losgelöst von ihrem Kontext, sehr abstrakt auf
Mitarbeitende wirken. Um dem entgegenzuwirken, sollten, um
Datenkompetenzen zu fördern, konkrete Bezüge zum Aufgabengebiet von
Mitarbeitenden hergestellt werden. Der Erwerb von Datenkompetenzen
gelingt dabei am besten an konkreten Projekten und Anwendungsfällen in
der Organisation.&lt;/p&gt;
&lt;h3&gt;5. Geben Sie Technologien Zeit, ein Teil der Organisationskultur zu werden&lt;/h3&gt;
&lt;p&gt;Schlecht ausgewählte oder fehlende Technologien können in einem
Unternehmen zu kritischen Einschränkungen in Bezug auf Produktivität und
Arbeitsmotivation führen. Allerdings hat die Einführung von neuen
Technologien eine deutliche Grenze. Wenn entweder zu viele Technologien
eingeführt werden oder die Einführung zu schnell geht, werden sich
Mitarbeitende und interne Strukturen nicht im erforderlichen Maße
anpassen. Ein &lt;em&gt;zu viel&lt;/em&gt; an neuen Technologien kann dann schnell auf
Widerstände stoßen, also zu negativen Effekten führen. Entsprechend
empfehlen wir Technologien als Hygienefaktor im Sinne von Herzberg
(siehe oben) zu verstehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Gegensatz dazu sehen wir großes Potential darin, eine datengetriebene
Organisationskultur zu entwickeln und zu fördern. Je besser neue
Technologien in diese Kultur integriert werden und deren Nutzung durch
die Mitarbeitenden unterstützt wird, desto größer wird die positive
Wirkung durch den Einsatz einer neuen Technologie sein. Daher verstehen
wir die Entwicklung und Weiterentwicklung einer datengetriebenen
Organisations als Motivator, denn unabhängig davon wie gut wir hier
schon sind, wird es immer noch Verbesserungsmöglichkeiten geben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die Einführung einer neuen Technologie ist nicht abgeschlossen, sobald
sie praktisch allen Mitarbeitenden zur Verfügung steht. Die Einführung
ist abgeschlossen, wenn es für die Mitarbeitenden zu einer
Selbstverständlichkeit geworden ist, diese neue Technologie im
beruflichen Alltag zu nutzen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dieses Verständnis sollte im Besonderen zum Tragen kommen, wenn mehrere
neue Technologien gleichzeitig eingeführt werden sollen. Geben Sie den
Mitarbeitenden ausreichend Zeit, sich an neue Technologien zu gewöhnen,
und warten Sie lieber mit weiteren Neuerungen, bis die aktuellen
Einführungen zu einem Teil der Organisationskultur geworden sind.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Let\'s get started&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Wir hoffen, wir konnten Ihnen mit den fünf Empfehlungen eine Anregung
geben, sich auf den Weg hin zu einer datengetriebenen
Organisationskultur zu begeben. Daten werden Ihnen helfen, Ihre internen
Prozesse und Entscheidungen zu verbessern. Gleichzeitig können Daten
aber auch helfen, Veränderungsprozesse zu analysieren und damit deren
Fortschritt beziehungsweise Erfolg zu messen. Daten sind nicht nur
Inhalt einer datengetriebenen Organisationskultur, sie können Ihnen auch
operativ auf dem Weg dorthin helfen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wer weiter in das Thema datengetriebene Organisationskultur einsteigen
möchte, dem empfehlen wir unser Interview mit Bianca Frost von
&lt;em&gt;flaconi&lt;/em&gt;, in dem sie berichtet, wie &lt;em&gt;data-driven culture&lt;/em&gt; in der Praxis
funktioniert: &lt;a href="https://www.impactdistillery.com/digitale-transformation/interview-bianca-frost/"&gt;Bianca Frost, was bedeutet datengetriebene
Organisationskultur für
dich?&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Über die Autor:innen&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href="https://www.impactdistillery.com/carolin-stolpe/"&gt;Carolin
Stolpe&lt;/a&gt;
erforscht, welchen Herausforderungen sich Organisationen auf dem Weg zur
&lt;em&gt;data-driven culture&lt;/em&gt; stellen müssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href="https://www.impactdistillery.com/marcel-hebing/"&gt;Prof. Dr. Marcel
Hebing&lt;/a&gt;
beschäftigt sich in der Forschung und als Berater mit der Frage, wie wir
Data Science gewinnbringend in Unternehmen und darüber hinaus einbringen
können.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Literatur&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Anderson, C. (2015). &lt;em&gt;Creating a data-driven organization&lt;/em&gt;. O'Reilly Media.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Herzberg, F. (1968). One more time: How do you motivate employees?
&lt;em&gt;Harvard Business Review, 46&lt;/em&gt;(1).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kiron, D., &amp;amp; Shockley, R. (2011). Creating business value with analytics.
&lt;em&gt;MIT Sloan Management Review, 53&lt;/em&gt;(1).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Montoya, S. (2018, Oktober). Defining literacy. &lt;em&gt;GAML Fifth Meeting 17&lt;/em&gt;,
Hamburg, Germany.
&lt;a href="http://gaml.uis.unesco.org/wp-content/uploads/sites/2/2018/12/4.6.1_07_4.6-defining-literacy.pdf"&gt;http://gaml.uis.unesco.org/wp-content/uploads/sites/2/2018/12/4.6.1_07_4.6-defining-literacy.pdf&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Provost, F., &amp;amp; Fawcett, T. (2013). &lt;em&gt;Data science for business: What you
need to know about data mining and data-analytic thinking&lt;/em&gt;. O'Reilly Media.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ridsdale, C., Rothwell, J., Smit, M., Ali-Hassan, H., Bliemel, M.,
Irvine, D., Kelley, D., Matwin, S., &amp;amp; Wuetherick, B. (2015). &lt;em&gt;Strategies
and best practices for data literacy education: Knowledge synthesis report&lt;/em&gt;.
Dalhousie University.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Rogers, E. M. (2003). &lt;em&gt;Diffusion of innovations&lt;/em&gt; (5. Aufl.). Simon &amp;amp;
Schuster.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sackmann, S. (2017). &lt;em&gt;Unternehmenskultur: Erkennen, entwickeln,
verändern&lt;/em&gt;. Springer.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Schein, E. H. (2017). &lt;em&gt;Organizational culture and leadership&lt;/em&gt; (5. Aufl.).
John Wiley &amp;amp; Sons.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Seiter, M. (2019). &lt;em&gt;Business analytics: Wie Sie Daten für die Steuerung
von Unternehmen nutzen&lt;/em&gt;. Vahlen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weissmann, A., &amp;amp; Wegerer, S. (2018). Unternehmen 4.0: Wie Digitalisierung
Unternehmen und Management verändert. In M. Erner (Hrsg.), &lt;em&gt;Management
4.0: Unternehmensführung im digitalen Zeitalter&lt;/em&gt;. Springer.&lt;/p&gt;</content><category term="blog"/></entry><entry><title>Der Faktor Mensch – Technologien alleine machen keine digitale Transformation</title><link href="https://preview.idist.io/blog/digitale-transformation-faktor-mensch/" rel="alternate"/><published>2020-09-03T00:00:00+02:00</published><updated>2020-09-03T00:00:00+02:00</updated><author><name>Carolin Stolpe, Prof. Dr. Marcel Hebing</name></author><id>tag:preview.idist.io,2020-09-03:/blog/digitale-transformation-faktor-mensch/</id><summary type="html">&lt;p&gt;In Teil 1 unseres Dossiers zeigen wir unsere Sicht auf die digitale Transformation als Spannungsfeld zwischen innovativen Technologien, einer sich wandelnden Organisationskultur und individueller Adaption.&lt;/p&gt;</summary><content type="html">&lt;p&gt;Digitalisierung ist für die Überlebens- und Wettbewerbsfähigkeit von
Unternehmen essentiell geworden. Trotzdem bleibt der digitale Wandel so
abstrakt, dass viele ihn lieber erst in der Zukunft gestalten möchten.
Digitale Transformation ist mit Unsicherheiten verbunden, wie neue
Technologien das Arbeiten verändern werden. Digitale Transformation
bedeutet, mit einem neuen Tempo umgehen zu lernen, bei dem der aktuelle
Wissensstand sehr schnell veraltet. Gleichzeitig werden die zu lösenden
Herausforderungen komplexer. Dabei gilt: Digitalisierung ist ein Wandel,
der bleibt. Digitalisierung ist unausweichlich und unumkehrbar (Oswald &amp;amp; Krcmar, 2018).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mit der Coronakrise wurde die Kraft der Digitalisierung wohl auch denen
deutlich, welche die Notwendigkeit der digitalen Transformation bisher
eher skeptisch gesehen haben. Unternehmen, bei denen Arbeit auch aus dem
Home-Office effizient organisiert wird, demonstrieren inzwischen
wirkungsvoll die Widerstandsfähigkeit und Flexibilität, welche sie
mithilfe der digitalen Technologien auch in Krisenzeiten realisieren.
Abseits von physischen Büros wird deutlich, wie Akzeptanz und
Einstellung gegenüber digitalen Technologien in der Organisationskultur
verankert sind und wie agil Unternehmen auf Veränderungen reagieren
können. Vor allem wird aber auch klar: Die Kraft der Digitalisierung
kommt nicht nur aus den neuen Technologien selbst, sondern auch aus der
Art, wie Menschen mit den Technologien umgehen und sie in ihren
Arbeitsalltag integrieren.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Catchphrase digitale Transformation&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Digitalisierung und digitale Transformation werden oft synonym
verwendet. Der Begriff der Digitalisierung bezieht sich primär auf den
technischen Prozess, analoge Signale in digitale Signale umzuwandeln,
wohingegen die digitale Transformation weit darüber hinausgeht und vor
allem soziotechnische Betrachtungen miteinbezieht (Legner et al., 2017). In der
digitalen Transformation geht es um Veränderungen, die von digitalen
Technologien ausgelöst werden und sich in neuen Geschäftsmodellen,
Produkten und einer Veränderung von Organisationsstrukturen sowie der
Automatisierung von Prozessen widerspiegeln (Hess et al., 2016).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was die digitale Transformation konkret für ein Unternehmen bedeutet,
ist auf Grund der ungleichen Startpositionen durchaus verschieden (Parviainen et al., 2017).
Aus der Bedeutung des Wortes Transformation lässt sich jedoch bereits
ableiten, dass das Ziel zum digitalen Unternehmen zu wachsen, nicht
durch einen Sprint mit kurzfristigen Änderungen zu erreichen ist.
Stattdessen gleicht die digitale Transformation vielmehr einem Marathon,
einem umfassenden Prozess, der tiefe Einschnitte für die Funktionsweise
eines Unternehmens bedeutet und der nur durch kontinuierliche
Weiterentwicklung gelingt (Singh &amp;amp; Hess, 2017).&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Herausforderungen in der Umsetzung&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Technologische Trends wie Social, Mobile, Analytics, Cloud und Internet
of Things (SMACIT-Stack) konvergieren (Creusen et al., 2017) und machen es nahezu jedem
Unternehmen möglich vielseitig Daten zu erfassen und auszuwerten. Das
passiert in der Marketingabteilung, die ihre Omnichannel-Kampagne
optimiert, genauso wie in der Industrie, die einen zukünftig möglichen
Ausfall der Produktionsmaschinen durch Predictive Maintenance
vorhersagt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wenn Unternehmen auf uns zukommen, berichten sie häufig, dass sie
bereits kleinere oder größere Digitalisierungsprojekte erarbeitet haben.
Die entwickelten Lösungen scheinen vielversprechend und wären bereit für
den Einsatz. Das Problem aber ist, dass sie dann oft nicht genutzt
werden, sondern einfach wieder in der Schublade verschwinden. Der
gesamte Aufwand, der in die Evaluierung der neuen Technologien und
daraus resultierenden Projekten geflossen ist, bleibt wirkungslos. Warum
ist das so?&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Unbekanntes macht Angst&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Hinter der mangelnden Nutzung eingeführter (technischer) Lösungen
stecken häufig Akzeptanzbarrieren seitens der Mitarbeitenden. Digitale
Technologien können bedrohlich wirken, wenn für Mitarbeitende das Gefühl
entsteht, in Konkurrenz mit der neuen Technologie zu stehen. So ruft
künstliche Intelligenz bei vielen Mitarbeitenden Ängste hervor, ersetzt
zu werden und ihren Job zu verlieren. Aber selbst wenn Mitarbeitende
keine Angst haben, durch digitale Technologien ersetzt zu werden, heißt
das noch nicht, dass sie neue Technologien bereitwillig nutzen. Wenn sie
das Gefühl haben, die neue Technologie nur unzureichend beherrschen zu
können oder keinen Mehrwert für sich selbst oder das Unternehmen
erkennen, werden sie wahrscheinlich mit Akzeptanzbarrieren reagieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Parallel zur schnell wachsenden Menge an Daten, die zur Steuerung von
Prozessen und Geschäftsabläufen zur Verfügung stehen, kommen auch immer
komplexere Algorithmen zum Einsatz. Bei vielen dieser Algorithmen
handelt es sich um sogenannte Black-Box-Modelle -- dabei sind lediglich
die Ausgangsdaten und das finale Ergebnis bekannt. Warum jedoch auf
dieser Basis die entsprechende Empfehlung erfolgt, ist meist nicht
nachvollziehbar und lässt alle Beteiligten und insbesondere Entscheider
verunsichert zurück. Konzepte wie &lt;em&gt;Explainable AI&lt;/em&gt; (XAI) helfen solche
Unsicherheiten und Unverständnis zu überwinden, indem sie
Entscheidungsmechanismen verständlich und nachvollziehbar darstellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;–&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Lesen Sie zum Thema Explainable AI auch unseren Artikel mit Prof. Dr. Steffen Wagner
von INWT Statistics:&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href="https://www.impactdistillery.com/digitale-transformation/explainable-ai/"&gt;Vertrauen ist gut, Verständnis ist besser&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;–&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Modell der digitalen Transformation&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Um uns dem Thema der digitalen Transformation strukturiert zu nähern,
haben wir ein Modell entwickelt, welches uns hier und in der täglichen
Arbeit hilft, den praktischen Herausforderungen dieses Wandels zu
begegnen (Abbildung 1). Dabei sehen wir die digitale Transformation als
einen Prozess innerhalb von Unternehmen und anderen Organisationen,
welcher durch externe Veränderungen motiviert wird.&lt;/p&gt;
&lt;hr&gt;
&lt;figure&gt;&lt;img alt="Modell der digitalen Transformation" src="https://preview.idist.io/images/blog/digitale-transformation-faktor-mensch/modell-digitale-transformation.png"&gt;&lt;figcaption&gt;&lt;strong&gt;Abbildung 1. Modell der Digitalen Transformation&lt;/strong&gt;
Gesellschaftliche Veränderungen und technologische Innovationen stellen
den Rahmen der digitalen Transformation dar und erzeugen gleichzeitig
Druck auf Unternehmen sich an den Wandel anzupassen.&lt;/figcaption&gt;
&lt;/figure&gt;&lt;p&gt;Neue Technologien sind der strategischen Ausrichtung und den
Anforderungen der Organisation entsprechend auszuwählen. Mitarbeitende
und Führung müssen die notwendigen Kompetenzen mitbringen oder erlernen,
um mit neuen Technologien umgehen und sie gewinnbringend einzusetzen zu
können. Die Organisation ihrerseits muss eine Kultur schaffen, welche
bei den Mitarbeitenden Akzeptanz für Veränderungen schafft&lt;/p&gt;
&lt;hr&gt;
&lt;p&gt;Der dargestellte Prozess vollzieht sich im Spannungsfeld der
Organisation, der neuen Technologien und der Mitarbeitenden. Neue
Technologien haben dabei der strategischen Ausrichtung und den
Anforderungen der Organisation zu entsprechen. Mitarbeitende und Führung
müssen die notwendigen Kompetenzen mitbringen oder erlernen, um mit
neuen Technologien umgehen und sie gewinnbringend einzusetzen zu können.
Die Organisation ihrerseits muss eine Kultur schaffen, welche bei den
Mitarbeitenden Akzeptanz für Veränderungen schafft, insbesondere in
Bezug auf die Einführung neuer Technologien und Arbeitsweisen.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Fazit&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Die Herausforderung der digitalen Transformation besteht nicht allein in
der Wahl der richtigen Technologien, sondern vor allem darin, die
Mitarbeitenden abzuholen und neue Technologien so zu integrieren, dass
sie Mitarbeitenden Freiräume für andere Aufgaben, wie Kreativ-Prozesse,
gewinnen. Damit ein digitaler Wandel möglich ist, braucht es deshalb
auch eine Organisationskultur, die offen gegenüber Veränderungen ist und
die Mitarbeitenden darin ermutigt, neue Technologien auszuprobieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;In Teil 2 unseres Dossiers widmen wir uns deshalb dem Thema
Organisationskultur: Welche Werte werden in der digitalen Transformation
wichtig? Und wie sieht eine Organisationskultur aus, die Veränderungen
unterstützt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;–&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weiter zum zweiten Teil unseres Dossiers: &lt;a href="https://www.impactdistillery.com/digitale-transformation/datengetriebene-organisationskultur/"&gt;Fünf erste Schritte zu einer datengetriebenen Organisationskultur&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;–&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Über die Autor:innen&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href="https://www.impactdistillery.com/carolin-stolpe/"&gt;Carolin
Stolpe&lt;/a&gt;
erforscht, welchen Herausforderungen sich Organisationen auf dem Weg zur
&lt;em&gt;data-driven culture&lt;/em&gt; stellen müssen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;a href="https://www.impactdistillery.com/marcel-hebing/"&gt;Prof. Dr. Marcel
Hebing&lt;/a&gt;
beschäftigt sich in der Forschung und als Berater mit der Frage, wie wir
Data Science gewinnbringend in Unternehmen und darüber hinaus einbringen
können.&lt;/p&gt;
&lt;h2&gt;Literatur&lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Creusen, U., Gall, B., &amp;amp; Hackl, O. (2017). &lt;em&gt;Digital leadership: Führung in
Zeiten des digitalen Wandels&lt;/em&gt;. Springer.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hess, T., Matt, C., Benlian, A., &amp;amp; Wiesböck, F. (2016). Options for
formulating a digital transformation strategy. &lt;em&gt;MIS Quarterly Executive,
15&lt;/em&gt;(2).&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Legner, C., Eymann, T., Hess, T., Matt, C., Böhmann, T., Drews, P.,
Mädche, A., Urbach, N., &amp;amp; Ahlemann, F. (2017). Digitalization:
Opportunity and challenge for the business and information systems
engineering community. &lt;em&gt;Business &amp;amp; Information Systems Engineering, 59&lt;/em&gt;(4),
301--308.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Oswald, G., &amp;amp; Krcmar, H. (2018). &lt;em&gt;Digitale Transformation: Fallbeispiele
und Branchenanalysen&lt;/em&gt;. Springer.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Parviainen, P., Tihinen, M., Kääriäinen, J., &amp;amp; Teppola, S. (2017).
Tackling the digitalization challenge: How to benefit from digitalization
in practice. &lt;em&gt;International Journal of Information Systems and Project
Management, 5&lt;/em&gt;(1), 63--77.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Singh, A., &amp;amp; Hess, T. (2017). How chief digital officers promote the
digital transformation of their companies. &lt;em&gt;MIS Quarterly Executive, 16&lt;/em&gt;(1).&lt;/p&gt;</content><category term="blog"/></entry></feed>